Feierliche Rede zum Oktoberfest des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft von Guido Janzen, Direktor Investor Relations DF Deutsche Forfait AG (Foto: C. Grosse)
Ein Oktoberfest der besonderen Art: Wenn der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft gemeinsam mit der DF Deutsche Forfait AG zum Empfang lädt, treffen bayerische Traditionen auf tadschikische Diplomatie und handfeste Berliner Industriegeschichte. Ein Abend im Zeichen des globalen Netzwerkens, bei dem hochkarätige Wirtschaftslenker bewiesen, dass Außenwirtschaftsförderung auch mit Lederhose und Zapfhahn hervorragend funktioniert.
Wer glaubt, dass das Epizentrum der deutschen Außenwirtschaft ausschließlich in den sterilen, klimatisierten Konferenzräumen des Berliner Regierungsviertels liegt, der irrte am vergangenen Freitag gewaltig. Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und die DF Deutsche Forfait AG bewiesen, bei ihrem mittlerweile dritten Oktoberfest-Empfang eindrucksvoll, dass die tiefschürfendsten Handelsgespräche und das beste Networking immer noch dort gedeihen, wo eine ordentliche Schaumkrone den Takt vorgibt. Schauplatz des Geschehens war das imposante Kesselhaus der Vagabund Brauerei – ein Ort an einem geschichtsträchtigen Berliner Traditionsstandort, der wie geschaffen ist für ein Treffen zwischen Tradition, Moderne und globalem Unternehmertum.
Von der ersten Glühbirne zum flüssigen Gold
Denn die Location atmet Wirtschaftsgeschichte pur. Wo heute handwerklich gebrautes Bier aus den Zapfhähnen fließt, schuftete um die Jahrhundertwende noch die Berliner Arbeiterklasse in den ehemaligen Bergmann Electricitäts-Werken, den späteren weltberühmten Osram-Höfen. Genau hier erblickten einst Deutschlands allererste Glühbirnen das Licht der Welt. Dass in diesen denkmalgeschützten Mauern heute kein Strom mehr erzeugt wird, tat der Energie des Abends keinen Abbruch: Stattdessen glühten die Kontakte zwischen den rund 15 Nationen, deren Botschafter und Delegierte den Weg in das charmante Berliner Industrie-Idyll gefunden hatten.
Dass das Kesselhaus heute überhaupt als flüssige Innovationsschmiede dient, ist einer klassischen, fast schon abenteuerlichen Gründergeschichte zu verdanken. Im Jahr 2013 steckten drei amerikanische Einwanderer ihre Köpfe zusammen und gründeten die Vagabund Brauerei als „Community Supported Brewery“ – ein Crowdfunding-Projekt, lange bevor das Wort im deutschen Mittelstand Mainstream wurde. Ihr Ziel: Den Berlinern zu zeigen, dass die Welt des Bieres weit über das klassische, industriell gebraute Pils hinausreichte und Platz für außergewöhnliche handwerklich Geschmacksvariationen bietet. Nach Jahren in einem winzigen, aber gemütlichen Taproom, einem für Craft-Beer-Brauereien typischen Ausschankraum direkt an der Produktionsstätte, wagten die Gründer 2021 den großen unternehmerischen Sprung und bauten das monumentale, 1.600 Quadratmeter große Kesselhaus zur gläsernen Produktion um. Ein echter bürokratischer und finanzieller Kraftakt inmitten strenger Denkmalschutzauflagen – mithin eine Erfolgsstory, die jedem Wirtschaftsverband das Herz aufgehen lässt.

Wortgewaltige Eröffnung und bayerischer Generationenwechsel
Eingeleitet und eröffnet wurde die Veranstaltung offiziell durch Guido Janzen, Direktor Investor Relations der DF Deutsche Forfait AG, sowie von S.E. Dr. Imomudin Sattorov. Beide Redner betonten die Wichtigkeit des Dialogs in wirtschaftlich dynamischen Zeiten – und schufen damit das perfekte Fundament für die anschließende, hervorragende Stimmung in den gemütlichen und festlich dekorierten Räumlichkeiten. Zudem wurde ein weiterer Sponsor des Abends namentlich gewürdigt: der Münchner Rechtsanwalt Dr. Gabriel Wittmann von der Wirtschaftskanzlei GvW Graf von Westphalen.
Genau diese Mischung aus Business und Lockerheit war der rote Faden des Abends. Die deutsche Wirtschaft war hochkarätig und bestens gelaunt vertreten. Mittendrin und optisch ein Hingucker: Dr. Volker Treier, Außenwirtschaftschef und Mitglied der Hauptgeschäftsführung der DIHK (Deutsche Industrie- und Handelskammer). Treier bewies echtes Traditionsbewusstsein und erschien in landestypischer, bayerischer Tracht. Er war jedoch nicht allein im modischen Partnerlook unterwegs: Auch sein Sohn begleitete ihn an diesem Abend, was dem diplomatischen Parkett eine wunderbar familiäre Note verlieh. Dass die bayerische Landestracht an diesem Abend eine bemerkenswerte interkulturelle Strahlkraft besaß, bewies auch S.E. Omurbek Tekebaev: Der Botschafter der Kirgisischen Republik hatte sich ebenfalls mit bayerischen Elementen in Schale geworfen und setzte damit ein charmantes Zeichen der Verbundenheit. Gemeinsam mit zahlreichen Spitzenvertretern führender Wirtschaftsverbände fühlte man den Puls der globalen Märkte. In den Pausen wurde gefachsimpelt, genetzwerkt und die eine oder andere geopolitische Herausforderung mit bayerischer Gelassenheit seziert.

Kulinarische Diplomatie und hochkarätige Gäste
Für das ganz besondere internationale Flair sorgt in diesem Jahr das offizielle Partnerland: die Republik Tadschikistan. S.E. Dr. Imomudin Sattorov, außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter Tadschikistans in Deutschland, glänzte nicht nur am Mikrofon, sondern bewies auch als Gastgeber exquisites Gespür. Das Buffet stand ganz im Zeichen der tadschikischen Küche. Wer sich im Vorfeld gefragt hatte, wie die aromatischen, zentralasiatischen Spezialitäten mit Berliner Braukunst harmonieren, wurde restlos begeistert. Die kulinarische Diplomatie funktionierte tadellos und ging sprichwörtlich durch den Magen. Zeitweise glich das Kesselhaus einer lässigen, wunderbar entspannten zentralasiatisch-kaukasischen Wirtschaftskonferenz mit bayerischer Note.
Neben dem tadschikischen Gastgeber nutzten zahlreiche weitere hochrangige Diplomaten den Abend zum intensiven wirtschaftlichen Austausch. Unter den Gästen aus rund 15 Nationen waren unter anderem anwesend:
- S.E. Nasimi Aghayev, Botschafter der Republik Aserbaidschan
- S.E. Dilshod Akhatov, Botschafter der Republik Usbekistan
- S.E. Prof. Dr. Alexander Kartosia, Botschafter von Georgien
- S.E. Omurbek Tekebaev, Botschafter der Kirgisischen Republik
- S.E. Viktor Yengibarian, Botschafter der Republik Armenien
- Sowie hochrangige diplomatische Vertretungen weiterer Partnerländer des Ost-Ausschusses.

Der perfekte Anstich
Zum absoluten Höhepunkt des offiziellen Brauchtums geriet jedoch der urtypische Fassanstich: Der Brauereimeister schritt zur Tat, um ganz klassisch das erste Bierfass anzuzapfen. Unter den Augen der internationalen Diplomatie wurden die Gäste lautstark und freundlich aufgefordert, den traditionellen Anstich stimmgewaltig zu begleiten. Mit einem donnernden „Oans, zwoa, g’suffa!“ und dem erlösenden Ruf „O’zapft is!“ war das Eis endgültig gebrochen.
Ein Zukunftsmarkt mit Schaumkrone: Hopfen und Malz für Zentralasien
Beim anschließenden intensiven Netzwerken kam schnell ein Thema auf, das weit über den Tellerrand des aktuellen Abends hinausreichte: der Biermarkt in Zentralasien. In den Gesprächen der Wirtschaftslenker wurde deutlich, dass Bier in Ländern wie Tadschikistan, Kasachstan oder Usbekistan an Popularität gewinnt. Mehr noch: Es wird dort längst nicht mehr nur importiert, sondern zunehmend direkt vor Ort produziert – und das auffallend oft in engen Kooperationen mit traditionsreichen deutschen Brauereien und nach deutschem Reinheitsgebot. Für den deutschen Mittelstand sowie für Anlagen- und Rohstoffexporteure eröffnet sich hier ein hochattraktiver Zukunftsmarkt, der in den kommenden Jahren gezielt ausgebaut werden kann. Zentralasien durstet nach Know-how, die deutsche Wirtschaft steht bereit, zu liefern.

Faszinierende Einblicke bei der Brauereiführung
Ein absolutes Highlight für viele Gäste bot zudem die Gelegenheit, an einer exklusiven Führung durch die Brauerei teilzunehmen. Die Teilnehmer erhielten dabei tiefe Einblicke in die spannende Historie des Standorts, die fast schon abenteuerlichen handwerklichen und technischen Einbauten in das historische Gebäude, sowie in die gewaltigen, modernen Anlagen des Betriebs.
Stilsicher und elegant hielten sich die Gäste an den Dresscode „Smart Casual mit einem Hauch von Karo“. Obwohl Tracht, laut Einladung, kein Muss war, bewiesen neben der Familie Treier und Botschafter Tekebaev auch zahlreiche weitere Gäste echten Modemut. Als krönender Abschluss der Veranstaltung zögerte eine fachkundige Jury nicht lange, und prämierte die kreativsten Dirndl- und Lederhosen-Looks unter großen Applaus des Publikums.
Ob die anwesenden Wirtschaftslenker bei den Führungen und Tastings mehr über die optimale Kühlung von Gärtanks, oder über die handfeste Erschließung neuer Absatzmärkte entlang der alten Seidenstraße lernten, bleibt das gut gehütete Geheimnis dieses Abends. Fest steht jedenfalls: Außenwirtschaftsförderung des Ost-Ausschusses muss nicht immer trocken sein – manchmal schmeckt sie einfach verdammt gut.
