Wolframmine dprom.kz (Добываюшая промышленность Центральной Азия
Das chemische Element Wolfram ist ein Übergangsmetall, das den höchsten Schmelzpunkt aller Metalle (3422°C) hat. Mit seiner hohen Dichte von 19,25 g/cm³ ist es fast genauso dicht wie Gold.
Das Schwermetall ist eines der härtesten Metalle: verschleißfest, hat die höchste Zugfestigkeit aller Metalle, ist chemisch sehr stabil und wird nicht von Salz- oder Schwefelsäure angegriffen.
Die extrem harte Kohlenstoff-Wolfram Verbindung, Wolframcarbid, findet Anwendung für Spezialwerkzeuge, als Material für panzerbrechende Munition, in Raketenkomponenten und High–Tech Industrie, als Glühfaden sowie als Legierungselement in der Stahlindustrie (Erhöhung der Härte und Warmfestigkeit).
Bedeutung des Critical Raw Material Acts (CRMA)
Der CRMA ist ein EU Gesetz, um die Versorgung mit kritischen Rohstoffen für grüne und digitale Technologien langfristig zu sichern, um die Abhängigkeit von Drittländern zu verringern, indem es inländische Kapazitäten für Rohstoffabbau, -verarbeitung und -recycling ausbaut.
Gemäß der EU sind „Seltene“ Erden eine Gruppe von 17 chemischen Elementen, die aufgrund ihrer unverzichtbaren Eigenschaften für moderne Technologien als kritische Rohstoffe eingestuft werden. Wegen der hohen Importabhängigkeit aus China-über 90%-und der schwierigen Gewinnung, gelten sie als strategisch wichtig. Die EU stuft Wolfram laut dem CRMA ausdrücklich als strategisch relevant für Luft- und Raumfahrt sowie die Verteidigung ein.
Seltene Erden sind nicht selten. Sie kommen in der Erdkruste teilweise häufiger vor als Kupfer oder Blei. „Selten“ sind sie nur insofern, als dass sie selten in hohen, wirtschaftlich abbaubaren Konzentrationen zu finden sind.
Kernziele und Vorgaben des CRMA bis 2030
10 % des Bedarfs sollen durch Abbau in der EU gesichert werden und 40 % durch Verarbeitung in der EU (Eigenversorgung). 25 % des Bedarfs an strategischen Rohstoffen sollen aus inländischem Recycling kommen.
Wolfram kann hervorragend recycelt werden und ist nahezu unbegrenzt wiederverwertbar. Es gehört zu den wertvollsten Recyclingmaterialien. Recyceltes Wolfram besitzt dieselben Eigenschaften wie primäres Material. In Raketen ist es nicht recycelbar, da mit jeder Rakete, die explodiert, Wolfram irreversibel verloren geht.
Maximal 65 % eines strategischen Rohstoffs dürfen aus einem einzigen Drittland importiert werden. Zudem wird die Förderung von Rohstoffprojekten in der EU durch beschleunigte Genehmigungsverfahren unterstützt. Der CRMA ist Teil der EU-Strategie zur Stärkung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz der Lieferketten.

Warum Europa verwundbar ist
Binnen eines Jahres hat sich der Ammoniumparatungstat-Preis (APT), das globale Referenzprodukt für den Wolframhandel, mehr als versechsfacht. Dazu beigetragen hat der Iran- und Nahostkonflikt.
Der Hauptgrund für diese Entwicklung liegt in China. In 2025 steht China für ca. 79 % der globalen Produktion. Mit der Einführung im Februar 2025 von neuen Exportkontrollen, ist das chinesische Exportvolumen um mehr als 40 % gefallen. Exporteure benötigen staatliche Genehmigungen, bevor sie ihre Waren aus China ausführen. Eine sinkende Erzqualität und strengere Förderquoten haben die chinesische Minenproduktion zuletzt gedrückt.
Den niedrigeren Exporten aus China steht eine steigende militärische Nachfrage, als auch aus der Industrie gegenüber. Für Deutschland ist das brisant, weil Wolfram in genau den Branchen gebraucht wird, die das industrielle Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden: im Maschinenbau, in der Metallverarbeitung und in der Fahrzeugfertigung.
Aus dem Nischenmetall Wolfram ist ein strategischer Engpassrohstoff geworden. Es zeigt auf, wie verwundbar Deutschland und Europa bei kritischen Rohstoffen sind – in der Industrie genauso wie im Rüstungssektor.

Rohstoffreichtum in Kasachstan
In der Rangliste der wolframreichen Länder ist Kasachstan, nach China, an zweiter Stelle.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Bergbauaktivitäten über einen längeren Zeitraum stillgelegt. Ende 2024, mit der Entdeckung des Bogutinsky-Feldes, welches sich an den Südhängen des Ulken-Boguty-Gebirgszugs in der Region Almaty, befindet, wurde die Branche mittels ausländischer Investitionen, wiederbelebt.
Nach Angaben des Ausschusses für Geologie des Ministeriums für Industrie und Wissenschaften liegen die Restreserven von Wolframtrioxid bei 2,4 Millionen Tonnen.
Die Rohstoffbasis des Landes besteht vorwiegend aus großen Stockwerk-Lagerstätten. Dabei handelt es sich um spezielle Erzlagerstätten, bei denen nutzbare Minerale nicht in einem einzigen, dicken Strang konzentriert sind, sondern in einem dichten Netz von feinen, sich kreuzenden Äderchen und Klüften im Wirtsgestein verteilt auftreten
Die Erze zeichnen sich durch einen geringen Gehalt an der wertgebenden Komponente aus – durchschnittlich 0,1 % Wolframtrioxid. Die Lagerstätten in Kasachstan bestehen überwiegend aus Komplexerzen; folglich ermöglicht der Wolframabbau die Gewinnung begleitender Metalle – in erster Linie Molybdän – als Nebenprodukte.
Das Vorzeigeprojekt ist das Bogutinsky-Vorkommen. Die Aufbereitungsanlage wurde im November 2024 in Betrieb genommen. In diesem Feld werden die Reserven auf 120 Mio. t Erz und 285.000 t Wolframoxid geschätzt.
Der Hauptinvestor und Miteigentümer ist der chinesische Konzern Jiaxin International Resources Investment Ltd. Dieser hat 300 Mio. US-Dollar investiert. Formal wird das Projekt von der kasachischen TOO „Aral Kegen“ geleitet, die jedoch ebenfalls zu Jiaxin gehört.
Kasachstan ist bestrebt, die Verarbeitung von Rohstoffen zu vertiefen und den Anteil der Produktion mit hoher Wertschöpfung zu erhöhen, mit dem Ziel, die Abhängigkeit von Rohstoffen zu verringern und die Kapazitäten des verarbeitenden Sektors auszubauen. Die Behörden halten an diesem Ansatz auch bei Projekten mit ausländischer Beteiligung fest.

Ein Novum – grenzüberschreitender Börsengang
Im August 2025 wurden die Aktien von Jiaxin International Resources Investment Limited, sowohl an der Hongkonger Börse (HKEX) als auch an der Astana International Exchange (AIX) gehandelt.
Das „Astana International Financial Centre“ (AIFC), bezeichnete dies als eines der wichtigsten Ereignisse des Jahres 2025: den ersten grenzüberschreitenden Börsengang zwischen Kasachstan und China, den ersten auf Yuan lautenden Börsengang in Zentralasien sowie den ersten Börsengang im Segment „One Belt, One Road“ an der AIX.
Im November 2025 wurde auf dem C5+1-Gipfel in Washington die Bildung einer strategischen Allianz zwischen „Tau-Ken Samruk“ und Cove Capital bekannt gegeben. Cove Capital LLC ist einin Australien/USA ansässiger Investor und Betreiber von Bergbau- und Rohstoffprojekten. JSC «Tau-Кen Samruk» National Mining Company wurde am 15. Januar 2024 in Kasachstan gegründet.
Cove Capital ist bereits an der Exploration an den Standorten Gremyachinsky (Region Ostkasachstan) und Akbulak (Region Kostanay) beteiligt. Das Joint Venture wird die Erschließung großflächiger Standorte in der Region Karaganda übernehmen. Das Projekt wird auf ca. 1,1 Milliarden US-Dollar veranschlagt, wovon die US-Export-Import Bank bereit ist, 900 Millionen US-Dollar bereitzustellen.

Die kasachischen Behörden fordern den Aufbau eines Verarbeitungsclusters im Inland. Neben dem reinen Export von Erz und Konzentraten soll in der Region die Produktion von Ammoniumparatungstat organisiert werden – einem wichtigen Zwischenprodukt für die Herstellung von Hightech-Produkten.
Weitere Lagerstätten, die für eine industrielle Erschließung bereitstehen sind: Aksoran, Bayanskoye (Bayan) und Syrymbet. Sie alle unterscheiden sich hinsichtlich der Vorkommen, der Aufbereitung und der Investoren.
Die Wolframbranche in China umfasst eine Vielzahl von Unternehmen, von denen die größten Teil staatlich geführter Konzerne sind – wie etwa die China Minmetals Corp., die China Molybdenum Co., die Jiangxi Tungsten Holding Group Company Ltd. und andere. Sie produzieren mehr als 50 % der Wolframkonzentrate des Landes. Trotz des Umfangs der eigenen Produktion importieren die Metallunternehmen in großem Umfang Konzentrate.
Somit entwickelt sich Kasachstan mit der Wiederbelebung seiner Wolframindustrie zu einem Garanten für die Versorgung der westlichen und asiatischen Industrien mit kritischen Rohstoffen.
Priorität hat nun, dass ausländische Investoren ihren Verpflichtungen hinsichtlich der Entwicklung der Tiefenverarbeitung von Metallen nachkommen. Die Produktion von Gütern mit hoher Wertschöpfung ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass die Republik nicht erneut in eine Rohstoffabhängigkeit gerät und sich darauf beschränkt, lediglich Erze und Konzentrate zu liefern. Einen Beitrag dazu könnte auch die Bundesrepublik Deutschland leisten.
