35 Jahre Unabhängigkeit der Republik Usbekistan (Foto: C. Grosse)
11. September Wirtschaftlicher Aufbruch an der historischen Seidenstraße: Anlässlich des 35. Jahrestages der Unabhängigkeit lud die usbekische Botschaft in Berlin zu einem hochkarätigen Empfang. Im Fokus standen neben einer beeindruckenden Bilanz des Reformkurses von Präsident Mirziyoyev auch die vier strategischen Zukunftsziele des Landes sowie die Vertiefung der verlässlichen deutsch-usbekischen Partnerschaft.
Zum 35. Jubiläum der Staatsgründung der Republik Usbekistan öffnete die usbekische Botschaft in Berlin-Moabit ihre Türen für einen hochkarätigen diplomatischen Empfang, zu dem Seine Exzellenz, Herr Botschafter Dilshod Akhatov, zahlreiche Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft begrüßen durfte. Die Jubiläumsfeier zog neben Gästen aus der Diplomatie und dem Deutschen Bundestag auch viele Vertreter der usbekischen Community sowie der Zivilgesellschaft an.
Ein feierlicher Auftakt im Zeichen der Musik
Eingeleitet wurde der festliche Abend mit der feierlichen Eröffnung durch die Nationalhymnen von Usbekistan und Deutschland. Am Klavier brillierte die renommierte Konzertpianistin aus Taschkent, Elena Kotlibulateva, während Michael Lewin, als Violinist, das Publikum berührte. Unter der musikalischen Leitung von Inobat Akhmedova stimmten diese Klänge die geladenen Gäste perfekt auf einen Abend im Zeichen der Völkerverständigung ein.
Sicher, mit profundem Fachwissen und einer Prise Humor moderiert, wurde die gesamte Veranstaltung von Dilfuza Aslanova. Sie führte das hochkarätige Publikum souverän durch das Programm und verlieh dem feierlichen Rahmen eine ebenso professionelle wie herzliche Struktur.

Von den Anfängen der Souveränität zum Reformkurs
In seiner anschließenden Ansprache blickte Botschafter Akhatov auf die Anfänge der staatlichen Souveränität zurück. Der Weg, der vor dreieinhalb Jahrzehnten begann, führte das Land auch durch spürbar schwierige Zeiten und komplexe historische Herausforderungen, die jedoch mit Entschlossenheit gemeistert wurden, und Platz für eine beeindruckende Entwicklungsgeschichte machten. Die Geschichte des modernen Staates gründet auf entscheidenden Stationen, beginnend mit dem 1. September 1991, als das Land die Unabhängigkeit erlangte und das Fundament für ein souveränes Staatswesen legte.
Bereits im darauffolgenden Jahr 1992 wurden mit dem Inkrafttreten der neuen Verfassung die verfassungsmäßigen und rechtlichen Strukturen des Landes dauerhaft verankert. Einen entscheidenden historischen Wendepunkt und den Beginn einer neuen Epoche markiert schließlich das Jahr 2016 mit der Wahl von Präsident Shavkat Mirziyoyev. Durch seine umfassenden Reformprojekte, und die konsequente internationale Öffnung, vollzog das Land den erfolgreichen Wandel hin zu einer modernen Marktwirtschaft.

Vier strategische Ziele für das „Neue Usbekistan“
Für die nächste Entwicklungsphase, so führte der Botschafter weiter aus, hat der Präsident vier zentrale Ziele ausgegeben, die das Fundament für das „Neue Usbekistan“ bilden. Das erste Ziel umfasst die konsequente Verdopplung des Pro-Kopf-Einkommens. Durch ein angestrebtes stetiges Wirtschaftswachstum soll das Bruttoinlandsprodukt in den kommenden Jahren massiv gesteigert werden, um das Land dauerhaft in der Gruppe der Staaten mit überdurchschnittlich hohem Einkommen zu etablieren und den allgemeinen Wohlstand zu sichern.
Als zweites Ziel forciert Usbekistan eine umfassende High-Tech-Transformation aller Wirtschaftssektoren und den Übergang zu einem innovationsgetriebenen Entwicklungsmodell. Im Fokus stehen hierbei der Ausbau wertschöpfungsstarker Branchen wie der Elektronik- und Automobilindustrie sowie die massive Förderung digitaler Dienstleistungen, der IT-Infrastruktur und der künstlichen Intelligenz.

Nachhaltigkeit und Infrastruktur im Fokus
Das dritte Kernziel beinhaltet den Ausbau der „Grünen Energie“ auf einen Anteil von 40 Prozent. Im Zuge dieser ambitionierten Klimastrategie treibt das Land die Dekarbonisierung voran, um durch internationale Großprojekte mit globalen Partnern den Anteil von Solar- und Windenergie massiv auszuweiten, und Wirtschaftswachstum mit ökologischer Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen.
Das vierte Ziel widmet sich der nachhaltigen Infrastruktur- und Sozialentwicklung in den lokalen Gemeinschaften. Unter dem Leitgedanken der regionalen Entwicklung investiert der Staat gezielt direkt vor Ort, was den Ausbau von Trinkwasser- und Energienetzen, die Modernisierung von Bildungseinrichtungen sowie die Stärkung der sozialen Sicherheit zur flächendeckenden Anhebung des Lebensstandards umfasst.
Die deutsch-usbekische Partnerschaft auf neuem Niveau
In diesem gesamten Entwicklungsprozess nimmt die Bundesrepublik Deutschland einen besonderen Stellenwert ein. Als eines der ersten Länder weltweit hat Deutschland die Unabhängigkeit Usbekistans im Dezember 1991 anerkannt. Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen im März 1992 erweist sich die Bundesrepublik als ein verlässlicher Partner. Beide Staaten betonen heute nachdrücklich die Absicht, diese historisch gewachsene, bilaterale Zusammenarbeit im Zuge des aktuellen Modernisierungskurses auf ein noch höheres Niveau zu heben.
Der Botschafter hob in diesem Zusammenhang hervor, dass immer mehr internationale Unternehmen von Rang und Namen, darunter maßgeblich auch deutsche Betriebe, das Potenzial des Marktes erkennen und bedeutende Investitionen tätigen. Ein zentraler Pfeiler dieser Entwicklung ist die Förderung der jungen Generation, denn mit modernen Programmen zur Berufsbildung schafft das Land die Basis für zukunftsfähige Branchen. Neue Berufe und moderne Arbeitsplätze entstehen, und Usbekistan bewegt sich zielgerichtet in Richtung High-Tech, betonte der Diplomat.

Ein Brückenbauer mit Herz, Humor und historischer Tiefe
Ein besonderes Highlight des Abends war das anschließende Grußwort von Gunther Krichbaum (CDU), dem Vorsitzenden des Europaausschusses. In seiner gewohnt nahbaren und humorvollen Art verhalf er der feierlichen Atmosphäre zu einer ganz besonders herzlichen Note. Er schlug nicht nur den großen Bogen zur Geschichte, sondern teilte auch eine ganz persönliche Brücke mit dem Publikum, da sich seine eigene Tochter aktuell in Usbekistan aufhält, was seine persönliche Verbundenheit zu dem Land an der Seidenstraße auf wunderbare Weise unterstrich.
Krichbaum verwies in seiner Rede mit Nachdruck auf die eindrucksvolle Geschichte Usbekistans, und hob dabei im Besonderen Samarkand hervor. In dieser historischen Wiege des Wissens seien wesentliche Fundamente der modernen Medizin, der Astronomie und der Mathematik geschmiedet worden. Schon in der antiken Welt habe die Region als essenzieller Brückenbauer auf der Seidenstraße gegolten – eine Funktion, die das Land bis heute einnehme.
In diesem Kontext lobte er auch das neue, wegweisende Zentrum für islamische Zivilisation (Center of Islamic Civilization), welches das reiche historische Erbe des Landes schützt und als moderne Brücke für den globalen Dialog fungiert.

Beeindruckt zeigte sich Krichbaum zudem von seinem Besuch der dortigen internationalen Tourismushochschule. Dies sei keineswegs „irgendeine Hochschule“, sondern ein zukunftsweisendes Innovationszentrum. Dort wird die berufliche Praxis direkt vor Ort simuliert und eins zu eins lebendig nachgebaut: von eigenen Hotelzimmern bis hin zu realitätsnahen Airline-Strukturen.
Ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor sei dabei die gelebte Mehrsprachigkeit: In Usbekistan habe man verstanden, dass das Beherrschen internationaler Sprachen fundamentale Zukunftschancen eröffnet und globale Mobilität bedeutet. Diese kulturelle und sprachliche Brücke nach Deutschland ist heute ungemein stark, was sich darin zeigt, dass derzeit rund 40.000 junge Menschen in Usbekistan die deutsche Sprache erlernen.
Kulturelle Vielfalt auf der Botschaftsbühne
Untermauert und visuell umrahmt wurde die gesamte Veranstaltung durch filmische Impressionen aus Usbekistan, die den Gästen die landschaftliche Schönheit und den rasanten Modernisierungsprozesses des Landes näherbrachten.
Direkt im Anschluss entfaltete sich das Konzert- und Tanzprogramm. Neben dem wirtschaftlichen Fortschritt zeichnet sich die usbekische Gesellschaft durch ihr tiefes Streben nach Harmonie aus. Mit 16 anerkannten Religionsgemeinschaften wird die religiöse Toleranz im Land als fester Bestandteil der nationalen Identität aktiv gelebt – eine Vielfalt, die sich auch auf der Bühne widerspielte.
Im Konzertteil wurden von den Musikern virtuose Werke von Chopin, Dilorom Omonullaeva, Avaz Mansurov, Fritz Kreisler und Fattah Nazarov vorgetragen. Den glanzvollen Schlusspunkt des Bühnenprogramms bildete der Auftritt zweier Tänzerinnen. Anhand der grazilen, fließenden Bewegungsabläufe und der prächtigen, farbenfrohen Muster ihrer traditionellen Kleidung kann der Kenner sofort ablesen, aus welchen Regionen Usbekistans die jeweiligen Tänze stammten.

Kulinarischer Ausklang im idyllischen Botschaftsgarten
Nach diesem kulturellen und musikalischen Genuss lud der Botschafter die geladenen Gäste zum feierlichen Empfang ein. Dieser fand im idyllischen Garten der Botschaft statt, der für diesen Anlass eine perfekte Kulisse bot. Bei einem lebendigen Austausch unter freiem Himmel konnten die Teilnehmer zudem usbekische Kunstwerke betrachten. Der kulinarische Höhepunkt des Empfangs im Freien war das traditionelle Nationalgericht Plov, das frisch zubereitet bei den Gästen auf begeisterte Resonanz stieß, und den festlichen Charakter dieses diplomatischen und partnerschaftlichen Jubiläums perfekt abrundete.
