Küchen-Studio-Dialog mit Kai Wegner (Foto: wachsmuth)
Der Küchenstudio-Dialog im Randu Küchenstudio ist längst zu einem festen Treffpunkt für politische und wirtschaftliche Impulse geworden. In der elften Ausgabe am 28. Mai 2026 begrüßten NewsMark und der Liberale Mittelstand Berlin den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner, der über ein Thema sprach, das Berlin und Deutschland gleichermaßen prägt: Staatsmodernisierung – Verwaltungsreform, Digitalisierung, Bürokratieabbau.
Ein Bürgermeister im Reformmodus
Wegner nutzte den Dialog für eine klare Standortbestimmung. Sein zentrales Anliegen: Deutschland muss schneller werden. Die Modernisierung des Staates sei kein abstraktes Verwaltungsprojekt, sondern eine Grundvoraussetzung für wirtschaftliche Stärke, gesellschaftliche Stabilität und Vertrauen in politische Prozesse.
Er betonte, dass Berlin in den vergangenen Jahrzehnten unter strukturellen Problemen gelitten habe – insbesondere unter organisierter Unzuständigkeit, Doppelstrukturen und einem föderalen Flickenteppich, der Innovation bremst.

Die große Verwaltungsreform: 4500 Aufgaben – 2200 bleiben
Einer der stärksten Momente des Gesprächs war Wegners Darstellung der Berliner Verwaltungsreform. Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes wurde ein vollständiger Aufgabenkatalog erstellt:
- 4500 Verwaltungsaufgaben identifiziert
- 2200 Aufgaben bleiben übrig
- Keine einzige Aufgabe wurde gestrichen
- Doppel- und Dreifachzuständigkeiten wurden beendet
Wegner bezeichnete dies als „mega Schub“ für die Leistungsfähigkeit der Verwaltung. Die Reform soll sich ab dem kommenden Jahr vollständig entfalten – mit klaren Zuständigkeiten, weniger Reibungsverlusten und einer stärkeren gesamtstädtischen Steuerung.
Starke Bezirke – aber klare Führung
Berlin bleibt eine Stadt der Bezirke. Wegner betonte, dass bürgernahe Dienstleistungen weiterhin dort stattfinden müssen, wo die Menschen leben. Gleichzeitig führte er das Konnexitätsprinzip ein: Wer Aufgaben bestellt, muss sie auch bezahlen.
Damit sollen Bezirke nicht länger strukturell überfordert werden. Im Gegenzug akzeptieren sie, dass das Land Berlin künftig Aufgaben an sich ziehen kann, wenn Projekte ins Klein-Klein abrutschen.

Digitalisierung: 460 digitale Services – aber kaum jemand weiß es
Wegner präsentierte eine Zahl, die viele überraschte: Über 460 digitale Verwaltungsleistungen stehen Berlinerinnen und Berlinern bereits zur Verfügung – darunter die vollständige digitale Wohnsitzanmeldung.
Das Problem: Die Angebote sind kaum bekannt. Wegner fordert eine gemeinsame Kraftanstrengung, um digitale Services sichtbarer und selbstverständlicher zu machen.
Vergaberecht: Mehr Tempo für den Mittelstand
Ein weiterer Schwerpunkt war die Reform des Vergaberechts. Berlin erhöht die Wertgrenzen deutlich, um langwierige Ausschreibungen zu vermeiden. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen sollen davon profitieren.
Wegner: „Wir hatten ein Vergaberecht, das überhaupt nicht mehr standesgemäß war.“
Föderalismus: Deutschland braucht mehr Einheitlichkeit
Wegner sprach ungewöhnlich offen über die Grenzen des Föderalismus. Sein Kernargument: 16 unterschiedliche Digitalisierungsstrategien bremsen Deutschland aus.
Er fordert mehr Bundeskompetenzen – sowohl in der Digitalisierung als auch in der Bildung. Wettbewerb der Länder sei gut, aber nur auf einer gemeinsamen Basis.
Politische Klarheit: Keine Zusammenarbeit mit AfD oder Linkspartei
Wegner positionierte sich deutlich: „Mit mir wird es Enteignungen nicht geben. Punkt.“ Er grenzte sich klar von extremen politischen Rändern ab und betonte die Bedeutung einer freiheitlichen, wirtschaftsfreundlichen Politik.

Die fünf wichtigsten Zitate
- „Mit mir wird es Enteignungen nicht geben. Punkt.“
- „Wir haben 4500 Verwaltungsaufgaben identifiziert – übrig geblieben sind 2200.“
- „Wir haben jetzt ein 24‑Stunden-Ziel bei Bürgerämtern.“
- „Deutschland muss schneller werden – wir sind viel zu langsam.“
- „Berlin ist und bleibt die Stadt der Freiheit.“
Biografischer Überblick: Kai Wegner
Kai Wegner, geboren in Berlin-Spandau, ist seit April 2023 Regierender Bürgermeister von Berlin. Er arbeitete zunächst im mittelständischen Unternehmensumfeld, bevor er in die Politik wechselte.
Politische Stationen
- Mitglied des Bundestages (2005–2021)
- Generalsekretär der CDU Berlin (2011–2016)
- Landesvorsitzender der CDU Berlin (seit 2019)
- Mitglied des Abgeordnetenhauses (seit 2021)
- Regierender Bürgermeister von Berlin (seit 2023)
- Mitglied des Bundesrates
Privat lebt Wegner in einer Patchworkfamilie mit sechs Kindern.

Aktuelle Ergänzung (Stand Juli 2026)
Kai Wegner sollte die CDU ursprünglich als Spitzenkandidat in die Berlin-Wahl am 20. September 2026 führen. Inzwischen ist er als Spitzenkandidat zurückgetreten. Hintergrund war massive Kritik auch aus den eigenen Reihen in Zusammenhang mit seiner Kommunikation zum großen Stromausfall im Januar 2026.
