Das Schofar-Ritual zum Abschluss des Empfangs mit Yehuda Teichtal, Kai Wegner, Ron Prosor u.a. (Foto: C. Grosse)
Vom mutigen Neuanfang zur festen gesellschaftlichen Säule: Die jüdische Gemeinde Chabad feierte in Berlin-Wilmersdorf ihr 30-jähriges Bestehen. Vor den Augen der politischen Elite, des diplomatischen Korps und führender Wirtschaftsvertreter setzte Rabbiner Yehuda Teichtal ein unübersehbares, vom Optimismus getragenes Zeichen. Sein Credo, Dunkelheit stets mit Licht zu bekämpfen, wird in der Hauptstadt zu einem kraftvollen Modell für radikale Offenheit und gemeinsamen wirtschaftlichen Erfolg.
Berlin 30. August 2026. Ein starkes Signal für gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirtschaftliche Zuversicht ging am vergangenen Sonntag von der Westfälischen Straße in Berlin-Wilmersdorf aus. Die jüdische Gemeinde Chabad Berlin feierte mit einem hochkarätig besuchten Straßenfest ihr 30-jähriges Bestehen. Die Veranstaltung entwickelte sich zu einem regelrechten Gipfeltreffen: Neben Spitzenpolitikern und dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) fand sich eine bemerkenswerte Riege von Wirtschaftsvertretern, Verbänden und Vereinen im Berliner Westen ein, um den runden Geburtstag eines zentralen gesellschaftlichen Akteurs zu würdigen.
Kultur, Kulinarik und ein historisches Schriftprojekt
Das Jubiläum wurde auf der gesperrten Straße als lebendiges Volksfest inszeniert. Zwischen stimmungsvoller jüdischer Live-Musik und Ständen mit koscherem Street-Food, präsentierte die Gemeinde ein ganz besonderes Highlight, nämlich den Startschuss für die Initiative „Tora für Deutschland“. Die Tora, bestehend aus den fünf Büchern Mose, ist die Heilige Schrift des Judentums. Sie enthält die religiösen Gesetze, sowie die Identitätsgeschichte des jüdischen Volkes, und wird traditionell von Hand mit Tinte und einer Feder auf Pergamentrollen geschrieben.
Das Besondere an der neuen Initiative ist, dass die heilige Rolle vollständig in Deutschland entstehen soll. Für den feierlichen Auftakt reiste extra ein spezialisierter Schriftgelehrter aus Hamburg an, um das monumentale Schriftstück rituell zu eröffnen. In den kommenden Wochen und Monaten wird das Projekt zu einem synagogenübergreifenden Gemeinschaftswerk, bei dem prominente Vertreter aus Politik, Kulturszene und Wissenschaft eingeladen sind, jeweils symbolisch einzelne Buchstaben zu der neuen Tora-Rolle beizutragen.

Das Schofar-Ritual: Ein spiritueller Weckruf für Berlin
Ein besonders kraftvoller und tief berührender Moment des Festes ereignete sich, als alle in Berlin aktiven Rabbiner gemeinsam auf die Bühne gerufen wurden. Sie brachten ein traditionsreiches Instrument zum Einsatz, dessen archaischer Klang die Besucher faszinierte: das Schofar.
Dabei handelt es sich um ein rituelles Horn, das traditionell aus dem Gehörn eines Widders gefertigt wird. Die charakteristischen, bewusst rauen und ungeschminkten Töne, die durch das synchrone Hineinblasen der Geistlichen erklangen, mögen für das moderne Ohr ungewohnt und fast disharmonisch wirken – im Judentum tragen sie jedoch eine tiefe symbolische Bedeutung. Der markerschütternde Klang des Schofars gilt als ein spiritueller Weckruf für die Seele. Er symbolisiert im aktuellen jüdischen Monat Elul, der direkt vor dem Neujahrsfest liegt, die herzliche Einladung zur inneren Einkehr, zur ehrlichen Selbstreflexion und vor allem zum Aufbruch in eine gemeinsame, friedliche Zukunft.
Internationale Strahlkraft: Politik und Diplomatie eng verbunden
Wie tief verankert und geschätzt Chabad mittlerweile auf allen politischen Ebenen ist, zeigte das hochkarätige Publikum vor Ort. Die Veranstaltung bot ein breites überparteiliches Bild, da die wichtigsten Spitzenkandidaten der Berliner Parteien für die anstehende Abgeordnetenhauswahl der Einladung gefolgt waren. Flankiert wurden die Landespolitiker von Mitgliedern des Deutschen Bundestages sowie prominenten Stimmen der Bundespolitik.
Besonderen Glanz und diplomatisches Gewicht erhielt der Festakt durch den Rückhalt auf dem internationalen Parkett: Weite Teile des diplomatischen Korps gaben der Gemeinde die Ehre. Allen voran zeigte sich der israelische Botschafter Ron Prosor, in Begleitung seiner Frau Hadas Prosor, tief beeindruckt von der Entwicklung der Gemeinde. Ihre Anwesenheit sowie die weiterer internationaler Exzellenzen unterstreichen die Rolle der jüdischen Gemeinde als global vernetzter Akteur mitten in Berlin.

Vom One-Way-Ticket zum jüdischen Großprojekt: Das Ehepaar Teichtal als „Macher“
Wer diese tiefe gesellschaftliche Verwurzelung der Gemeinde verstehen will, kommt an einem Namen nicht vorbei: Rabbiner Yehuda Teichtal. Als er im August 1996, gemeinsam mit seiner Frau Leah Teichtal, per One-Way-Ticket aus New York in der damals noch tief vom Mauerfall geprägten Hauptstadt ankam, fingen die beiden praktisch bei Null an. Mit nichts als unbändiger Energie, Eifer und einer tiefen Begeisterung im Gepäck luden sie damals zu ersten Gottesdiensten auf Klappstühlen in einer Wilmersdorfer Wohnung ein.
Heute ist Teichtal der unumstrittene Initiator, strategische Kopf und das Gesicht dieses jüdischen Aufbruchs in Berlin. Die Festredner sparten am Sonntag nicht mit Lob für sein Lebenswerk. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner und Botschafter Ron Prosor hoben Teichtal in ihren Reden explizit als den zentralen Repräsentanten des modernen jüdischen Lebens hervor. Wegner bezeichnete die Ankunft des Rabbiners vor 30 Jahren als echten Glücksfall für die Stadt und würdigte ihn als tatkräftigen Gestalter, der Visionen Realität werden lässt.

Mit Licht gegen die Dunkelheit: Klare Kante gegen Antisemitismus
Das Jubiläum fand gleichwohl vor einem ernsten gesellschaftlichen Hintergrund statt. Mehrere Redner wiesen offen darauf hin, dass die Realität in Berlin Herausforderungen birgt, da es auf den Straßen der Hauptstadt für Jüdinnen und Juden spürbar gefährlicher geworden ist, sich offen zu zeigen, sei es durch das Tragen einer Kippa, oder das Zeigen von Solidaritätssymbolen wie dem gelben Davidstern. Doch statt des Rückzugs wählt Teichtal bewusst die Offensive der Sichtbarkeit.
Dabei zog sich ein philosophisches Credo des Rabbiners wie ein roter Faden durch den gesamten Festtag, das er in seinen Beiträgen mehrfach unter großem Applaus betonte, dass man Dunkelheit nämlich nicht mit Dunkelheit bekämpfen kann, sondern nur mit Licht. Obwohl die Gefahren laut Teichtal real sind, dürfe man sich dadurch nicht definieren lassen.
Das farbenfrohe Fest im Berliner Westen war damit die lebendige Umsetzung dieses Leitmotivs und eine kraftvolle Demonstration gegen Antisemitismus, Hass und Gewalt durch Freude, Kultur und Begegnung. Die Botschaft des Tages war unmissverständlich, dass jüdisches Leben nicht zurückweicht, sondern mitten in der Gesellschaft wächst.
Radikale Offenheit als Erfolgsmodell für die Stadtgesellschaft
Das Geheimnis von Teichtals Erfolg liegt in genau dieser Philosophie der radikalen Offenheit. Er unterstrich leidenschaftlich, dass Chabad Berlin keine geschlossene Gesellschaft ist, sondern ein Open House für alle Berlinerinnen und Berliner sein will. Egal ob Juden, Christen, Muslime oder Konfessionslose, der Rabbiner sucht den aktiven Dialog mit allen Gruppen, um Vorurteile abzubauen und das Leben der Stadt gemeinsam positiv zu gestalten.
Dieser Ansatz dient als Netzwerk-Plattform. Wie eng das Engagement für Vielfalt und Toleranz mit den Spitzen der Berliner Wirtschaft, der Medien und der Wissenschaft verwoben ist, zeigte die Gästeliste: Neben Vertretern der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Berlin und der Medienlandschaft, waren auch Unternehmer wie der Geschäftsführer des Außenwerbers Wall GmbH, Patrick Müller, anwesend. Flankiert wurde diese Präsenz durch Vertreter der großen Berliner Universitäten, Stiftungen sowie der Charité-Universitätsmedizin. Die Beteiligten betonten, dass gesellschaftliche Stabilität, Forschung und ein stabiles Investitionsklima in Berlin Hand in Hand gehen.

Die Zukunft im Blick: Infrastrukturelle Weichenstellung bis zum Zieljahr 2030
Chabad agiert unter Teichtals Führung längst als dynamischer Standortfaktor. Mit dem etablierten Jüdischen Campus betreibt die Gemeinde bereits Kitas und Schulen, die explizit auch nicht-jüdischen Familien offenstehen und internationale Fachkräfte anziehen. Nun folgt das nächste infrastrukturpolitische Ausrufezeichen, denn die zentrale Synagoge in Wilmersdorf soll von derzeit rund 250 Plätzen auf eine Kapazität für bis zu 600 Gläubige ausgebaut werden. Das Bauvorhaben wird über ein starkes Fundament aus privaten Spenden, Bundesmitteln und der Unterstützung der Lotto-Stiftung getragen. Besucher des Festes konnten sich bereits über Virtual-Reality-Brillen einen dreidimensionalen Eindruck des zukünftigen Bauwerks verschaffen.
Für den Berliner Wirtschaftsstandort ist dieses Projekt ein klares Aufbruchssignal. Teichtals oft zitierter Leitsatz „Wer baut, der bleibt“ fasst das Vertrauen in die Zukunft der Stadt perfekt zusammen. Trotz realer gesellschaftlicher Spannungen setzt die Gemeinde auf Expansion und Dialog. Wer investiert und baut, bringt das dringend benötigte Licht in die Metropole, schafft bleibende Werte und stärkt das Vertrauen in den Standort Berlin als offene und zukunftsfähige Metropole.

Infokästchen: Meilensteine von Chabad Berlin
1996 – Die Ankunft: Rabbiner Yehuda Teichtal und seine Frau Leah kommen aus New York nach Berlin und beginnen mit dem Aufbau der Gemeinde im Stadtteil Wilmersdorf.
2007 – Das erste Zentrum: Eröffnung des jüdischen Bildungs- und Familienzentrums in der Westfälischen Straße, das als Herzstück für die wachsende Gemeinde dient.
2017 – Grundstein für das Großprojekt: Der feierliche Spatenstich für den „Pears Jüdischer Campus Berlin“ erfolgt im Beisein hochrangiger Politiker.
2023 – Eröffnung des Campus: Einweihung des hochmodernen Campus, der Kitas, Schulen, Sportstätten und Kulturräume für Menschen aller Religionen vereint.
2026 – Das 30-jährige Jubiläum: Chabad feiert drei Jahrzehnte Bestehen und kündigt das nächste große Infrastrukturprojekt an – die repräsentative Erweiterung der Synagoge bis 2030.
Fazit und Ausblick
Das 30-jährige Jubiläum von Chabad Berlin zeigt, dass sich die Gemeinde zu einem unverzichtbaren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Stützpfeiler der Bundeshauptstadt entwickelt hat. Mit dem geplanten Ausbau der Infrastruktur bis 2030 setzt die Gemeinde ein Zeichen für Beständigkeit und gestaltet Berlin aktiv als einen Ort der Vielfalt und des Zusammenhalts. Für weitere Informationen besuchen Sie Chabad Berlin.
