Küchen-Studio-Dialog mit Kai Wegner am 28. Mai 2026 (Foto: J. Wachsmuth)
Am 28. Mai 2026 um 9 Uhr lud der Liberale Mittelstand Berlin zum elften Küchen‑Studio‑Dialog in das Randu Küchenstudio in Charlottenburg. Gastgeber und Moderator Christian Grosse begrüßte einen besonderen Gast: den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner. Nach Müller und Giffey nun also der amtierende Regierungschef – ein sichtbares Zeichen für die wachsende Relevanz des Formats.
Wegner nutzte seinen Impulsvortrag, um eine klare Diagnose des Berliner Verwaltungszustands zu liefern – und gleichzeitig einen ambitionierten Reformpfad aufzuzeigen. Sein zentrales Thema: Staatsmodernisierung als Voraussetzung für wirtschaftliche Stärke, Vertrauen und Zukunftsfähigkeit.

Ein politischer Realist ohne Schubladen
Gleich zu Beginn positionierte sich Wegner bewusst jenseits klassischer Parteiflügel. Er lehne politische Schubladen ab, sagte er, denn moderne Politik müsse sich an Lösungen orientieren, nicht an ideologischen Identitäten.
Er beschrieb sich als sozial, wenn es um Armutsbekämpfung geht, liberal bei Lebensentwürfen und ordnungspolitischen Fragen – und konservativ, wenn es um Sicherheit und Sauberkeit geht. Diese Mischung sei kein Widerspruch, sondern Ausdruck einer pragmatischen Haltung: „Nicht die Schublade entscheidet, sondern was richtig ist.“
Damit setzte er den Ton für einen Vortrag, der sich konsequent an der Frage orientierte: Wie wird Berlin wieder handlungsfähig?

Wirtschaftspolitik braucht Verlässlichkeit – keine Enteignungsdebatten
Wegner kritisierte die politischen Debatten der vergangenen Jahre, die aus seiner Sicht zu massiver Verunsicherung geführt haben. Besonders die Diskussionen über Enteignungen, Mietendeckel oder Gewinnbegrenzungen hätten nicht nur die Immobilienwirtschaft, sondern den gesamten Mittelstand verunsichert.
Er berichtete, dass nach der Enteignungsdebatte nicht die großen Immobilienunternehmen bei ihm anriefen – sondern Handwerksbetriebe und Mittelständler, die fragten, ob sie als Nächstes betroffen seien.
Seine klare Botschaft: „Mit mir wird es Enteignungen nicht geben. Punkt.“
Berlin brauche Vertrauen, Planungssicherheit und eine Politik, die wirtschaftliche Dynamik nicht behindere, sondern ermögliche.
Verwaltungsmodernisierung als Chefsache – gegen alle Warnungen
Wegner schilderte offen, wie ihm im Wahlkampf viele geraten hätten, das Thema Verwaltungsreform nicht zur Chefsache zu machen. Zu groß sei das Risiko, daran zu scheitern – schließlich seien alle Vorgänger seit 25 Jahren daran gescheitert.
Doch Wegner entschied sich bewusst dagegen: „Ich möchte mich daran messen lassen. Die organisierte Unzuständigkeit ist der Bremsklotz dieser Stadt.“
Erstmals in der Berliner Geschichte wurde ein vollständiger Aufgabenkatalog erstellt:
- 4.500 Verwaltungsaufgaben identifiziert
- 2.200 bleiben übrig – ohne eine einzige Aufgabe zu streichen
- Grund: Abschaffung von Doppel‑, Dreifach‑ und Vierfachzuständigkeiten
Dieser Schritt ist historisch. Kein anderes Bundesland hat einen vergleichbaren Katalog.

Erste Erfolge sichtbar: Bürgerämter im 24‑Stunden‑Modus
Wegner verwies auf ein Beispiel, das alle Berlinerinnen und Berliner unmittelbar betrifft: die Bürgerämter.
Während früher Wartezeiten von Wochen oder Monaten üblich waren, gilt heute: „Wir haben kein 14‑Tage‑Ziel mehr, wir haben ein 24‑Stunden‑Ziel.“
In der Regel bekommt man sogar am selben Tag einen Termin. Ein Kulturwandel, der zeigt, dass Reformen Wirkung entfalten können.
Föderalismus als Digitalisierungsbremse
Ein zentraler Punkt seines Vortrags war die Kritik am deutschen Föderalismus. 16 Bundesländer mit 16 Digitalstrategien seien nicht zukunftsfähig.
Wegner forderte:
- mehr Entscheidungskompetenzen für den Bund
- einheitliche digitale Standards
- klare Zuständigkeiten statt paralleler Insellösungen
Er verwies auf Länder wie Estland, die durch zentrale digitale Strukturen enorme Effizienzgewinne erzielt haben.
Starke Bezirke – aber klare gesamtstädtische Steuerung
Berlin brauche beides:
- Starke Bezirke, die bürgernah arbeiten
- Eine starke Landesebene, die eingreifen kann, wenn Bezirke blockieren oder uneinheitlich handeln
Wegner führte das neue Berliner Konnexitätsprinzip ein: Wer bestellt, bezahlt. Wenn das Land Aufgaben an Bezirke überträgt, muss es auch Personal und Finanzierung mitliefern.
Im Gegenzug akzeptieren die Bezirke eine stärkere gesamtstädtische Steuerung. Ein fairer Deal – und ein Paradigmenwechsel.
Digitalisierung, Vergaberecht, Bürokratieabbau – der Dreiklang der Modernisierung
Wegner kündigte weitere Reformen an:
- Modernisierung des Vergaberechts
- Erhöhung von Wertgrenzen
- Abbau überflüssiger Berichtspflichten
- Vereinheitlichung digitaler Prozesse
- Stärkere Nutzung von KI und Automatisierung
Berlin solle seine Rolle als Startup‑Metropole nutzen, um Verwaltung und Wirtschaft enger zu verzahnen.

Ein Bürgermeister, der Tempo macht
Der Impulsvortrag zeigte einen Regierenden Bürgermeister, der sich bewusst an einem schwierigen Thema messen lassen will – und der bereit ist, politische Risiken einzugehen, um Berlin zu modernisieren.
Seine Botschaft an den Mittelstand war eindeutig: Berlin soll wieder ein Standort werden, der Geschwindigkeit, Verlässlichkeit und wirtschaftliche Freiheit ermöglicht.
Der Küchen‑Studio‑Dialog bot dafür den passenden Rahmen: nahbar, dialogorientiert, wirtschaftsnah – und mit einem Bürgermeister, der deutlich machte, dass Staatsmodernisierung kein technisches Detail ist, sondern die Grundlage für Berlins Zukunft. | die Erstellung wurde von KI unterstützt
