120 Jahre Eisen-Döring in Berlin (Foto: Wachsmuth)
Schrauben einzeln, Schlüssel für historische Schlösser und Lösungen für Probleme, bei denen andere längst passen müssen: Eisen-Döring gehört seit 120 Jahren zur Berliner Handelsgeschichte. Am 1. Oktober 2026 feierte das Familienunternehmen sein Jubiläum am Kaiserdamm. Zu den Gratulanten gehörte auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU).
Bunt geschmückt präsentierte sich Eisen-Döring am 1. und 2. Oktober am Kaiserdamm. Vor dem Geschäft wurde auf das Jubiläum angestoßen, im Laden erinnerten historische Bilder an eine Unternehmensgeschichte, die bis in das Berlin des Kaiserreichs zurückreicht.
120 Jahre Eisen-Döring sind dabei weit mehr als ein runder Geburtstag. Das Fachgeschäft steht für eine Form des Berliner Einzelhandels, die zunehmend selten geworden ist: persönlich, familiengeführt, mit einem erstaunlich großen Sortiment und vor allem mit dem Anspruch, für die Kundschaft auch dann noch eine Lösung zu finden, wenn es anderswo nicht weitergeht.
Zum Jubiläum gab es auch prominenten Besuch bei Eisen-Döring. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) kam am 1. Oktober persönlich zum Gratulieren. Dass Kai Wegner an diesem Tag als Regierender Bürgermeister von Berlin amtierte, geht auch aus den Veröffentlichungen der Senatskanzlei hervor.
Begonnen hat alles mit einem Kochtopf
Die Geschichte von Eisen-Döring beginnt am 1. Oktober 1906. Damals wurde das Geschäft in der Elbestraße in Neukölln gegründet. Selbst der erste Verkauf ist in der Familiengeschichte überliefert: Eine Kundin kaufte einen Kochtopf.
Aus diesem Anfang entwickelte sich eine Berliner Unternehmensgeschichte, die sich über Generationen fortsetzte. Nach Angaben der Familie überstand das Geschäft zwei Weltkriege, Inflationen und zuletzt auch die Corona-Zeit. Lediglich nach dem Zusammenbruch 1945 sei das Geschäft für zwei Monate geschlossen gewesen.
„Wir halten eisern durch“, bringt Seniorchef Döring diese 120 Jahre mit einem passenden Wortspiel auf den Punkt.
Der Kaiserdamm hat selbst eine lange Eisenwaren-Geschichte
Auch der heutige Standort hat Tradition. Das Eisenwarengeschäft am Kaiserdamm existierte nach Angaben der Familie bereits seit 1906 unter dem Namen „Julius Walter“. 1961, im Jahr des Mauerbaus, übernahm die Familie Döring das Geschäft und kaufte später auch das Haus, in dem sich der Laden befindet.
Seitdem gehört Eisen-Döring zum Kaiserdamm und damit zu einem Teil Charlottenburgs, der mit seinen Altbauten wie geschaffen scheint für ein Geschäft, in dem man nicht nur Neues kaufen, sondern auch Lösungen für Dinge finden kann, die Jahrzehnte alt sind.
Heute führen Frank Döring und die Familie diese Tradition fort.

27.000 Artikel und manche Rarität
Rund 27.000 Artikel umfasst das Sortiment nach Angaben der Inhaber. Doch die schiere Zahl ist gar nicht das Entscheidende.
Es sind die kleinen Dinge, die den Unterschied machen.
Wer nur eine einzelne Schraube oder einen kleinen Stahlnagel benötigt, kann sie bei Eisen-Döring bekommen. Dazu kommen Haushaltswaren, Gartenbedarf, Werkzeuge und Beleuchtung. Selbst ältere Leuchtmittel versucht das Geschäft noch zu beschaffen, wenn sie irgendwo erhältlich sind.
Und dann gibt es Dinge, die nicht einfach aus einem Regal geholt werden können.
Während des Interviews steht einer der Dörings beispielsweise an der Werkbank. Ein Kunde braucht einen besonderen, runden Winkel. Also wird das gewünschte Teil kurzerhand angefertigt.
Genau solche Situationen erklären vielleicht besser als jede Sortimentsliste, weshalb das Geschäft noch immer Kundschaft aus Berlin und dem Umland anzieht.
Spezialisten für die alten Berliner Häuser
Eine besondere Kompetenz hat sich Eisen-Döring bei historischen Schlössern und Schlüsseln erarbeitet.
Das ist gerade in Charlottenburg mit seinem großen Altbaubestand gefragt. In manchen Wohnungen befinden sich noch rund 100 Jahre alte Türschlösser. Sie wurden über die Jahrzehnte mehrfach überstrichen, sind schwergängig geworden oder funktionieren überhaupt nicht mehr.
Bei Eisen-Döring werden solche Schlösser wieder gangbar gemacht. Auch passende Schlüssel können angefertigt werden. Das reicht nach Angaben der Familie bis zu großen historischen Schlüsseln für alte Gebäude und Schlösser im Berliner Umland.
Damit wird aus einem Eisenwarengeschäft fast nebenbei auch ein Bewahrer alter Berliner Alltagskultur.
„Wir sind der Problemlöser“
Das vielleicht wichtigste Produkt des Unternehmens lässt sich allerdings nicht ins Regal stellen: Erfahrung.
Viele Menschen kämen gerade deshalb zu Eisen-Döring, weil sie an anderer Stelle keine Lösung gefunden hätten, erzählen die Inhaber. Beratung gehört hier nicht zum Zusatzangebot, sondern zum Geschäftsmodell.
„Wir sind ja ein Problemlöser. Wenn es woanders nicht mehr weitergeht, dann kommt man zu uns“, beschreibt Senior Döring die Rolle des Geschäfts.
Dabei gehe es nicht immer nur ums Kaufen. Stammkunden kämen durchaus auch einmal herein, um ein paar Worte zu wechseln. Und einen Satz höre die Familie besonders häufig: „Schön, dass es Sie noch gibt.“
Eigentlich, sagt Döring mit einem Augenzwinkern, wolle man aber gar nicht die „letzte Rettung“ sein: Man wäre lieber die erste Hilfe.
Kein Online-Shop aus Überzeugung
Auch in einem weiteren Punkt unterscheidet sich Eisen-Döring von vielen heutigen Handelsunternehmen. Einen klassischen Online-Shop betreibt das Unternehmen nicht.
Im Internet ist Eisen-Döring zwar präsent, gekauft und beraten wird aber weiterhin auf traditionelle Weise. Wer wissen möchte, ob ein bestimmtes Teil vorhanden ist oder ein Problem gelöst werden kann, kann anrufen oder direkt in den Laden kommen.
Das mag in einer Zeit, in der sich nahezu alles per Klick bestellen lässt, altmodisch erscheinen. Doch gerade die persönliche Beratung ist ein Teil dessen, was Eisen-Döring ausmacht. Denn bei einer Schraube, deren Bezeichnung man nicht kennt, einem jahrzehntealten Schloss oder einem Winkel, den es in der benötigten Form gar nicht zu kaufen gibt, kommt auch der beste Suchschlitz im Online-Shop irgendwann an seine Grenzen.
Am Kaiserdamm beginnt dann die eigentliche Arbeit.

120 Jahre und noch lange nicht eingerostet
So erzählt das Jubiläum von Eisen-Döring auch eine größere Geschichte über den Berliner Einzelhandel.
Große Handelsketten kamen, das Internet veränderte das Einkaufsverhalten, Baumärkte entstanden und die Stadt selbst wandelte sich grundlegend. Eisen-Döring ist geblieben.
Vielleicht liegt das Geheimnis dieses außergewöhnlichen Durchhaltevermögens gerade darin, dass hier nicht versucht wird, mit den Großen um jeden Preis gleichzuziehen. Stattdessen setzt die Familie auf das, was ein Traditionsunternehmen besonders gut kann: Wissen, Erfahrung, persönliche Beziehungen und die Bereitschaft, auch für ein ungewöhnliches Problem noch nach einer Lösung zu suchen.
Seit dem ersten Kochtopf von 1906 sind 120 Jahre vergangen. Eine einzelne Schraube bekommt man bei Eisen-Döring noch immer. Und manchmal eben auch genau das Stück Berliner Fachwissen, das es nirgendwo sonst mehr gibt, oder man kauft einen Kochtopf.
Eisen-Döring, Kaiserdamm 17, 14057 Berlin-Charlottenburg
