Elke Büdenbender, Rabbiner Yehuda Teichtal und jüdisch-ukrainische Kinder bei der Preisverleihung (Foto: C. Grosse)
Die jüdische Gemeinde „Chabad Berlin“ hat Elke Büdenbender, die Frau des Bundespräsidenten Frank – Walter Steinmeier, mit dem „Preis zur Stärkung jüdischen Lebens in Deutschland und eines positiven Miteinanders“, sowie für ihr herausragendes Engagement gegen Antisemitismus, ausgezeichnet.
Die Auszeichnung wurde anlässlich des 25-jährigen Gemeindejubiläums ins Leben gerufen. Der Preis wird im zweijährigen Turnus verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE als auch die heutige Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Bärbel Bas.
Die Chabad Gemeinde steht in ihrem 30. Jahr. Rabbiner Yehuda Teichtal kündigte den Baubeginn einer neuen Synagoge mit 600 Plätzen für das kommende Jahr an.
Eröffnet wurde der Pears Jüdische Campus (PJC) im Juni 2023. Nach Angaben der Gemeinde ist er mir circa 8000 Quadratmetern die größte jüdische Einrichtung für Bildung, Kultur und Sport in der Bundesrepublik Deutschland.
In einer begeisternden, aber auch gleichzeitig aufrüttelnden und motivierten Rede des Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin, Rabbiner Yehuda Teichtal, hob dieser den unermüdlichen Einsatz von Elke Büdenbender für das jüdische Leben hervor. „Sie setzt sich seit vielen Jahren mit großer Überzeugung und persönlichem Engagement für jüdisches Leben, sowie für ein tolerantes und respektvolles Miteinander in unserer Gesellschaft ein, mit einem echten Herz und einer großen Seele“.
„Wir brauchen Menschen, die nicht wegschauen“
In ihrer anschließenden Laudatio hob die frühere Bundesjustiz- und Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries zu Beginn ihrer Rede hervor, dass Büdenbender, Zitat: „…ihr öffentliches Amt als First Lady nie als dekoratives Amt verstanden, sondern immer ganz ihrem Naturell entsprechend auch als Verpflichtung. Verpflichtet der Mitmenschlichkeit und Empathie ist sie immer gegen Antisemitismus und zum Schutz jüdischen Lebens in Deutschland eingetreten“.

In diesem Zusammenhang fand die ehemalige Ministerin auch kritische und nachdenkliche Worte. „Wir leben in einer Zeit, in der jüdisches Leben in diesem Land wieder bedroht wird. Jüdinnen und Juden fragen sich spätestens seit dem 7. Oktober 2023, ob sie ihre Kippa auf der Straße tragen können oder ob sie in der Öffentlichkeit Hebräisch sprechen können. Antisemitische Parolen in sozialen Medien und auf Demonstrationen sind häufig laut, und Anschläge auf jüdische Einrichtungen nehmen zu.
In diesen Zeiten brauchen wir eine so klare Haltung wie die von Elke Büdenbender. Wir brauchen Menschen, die nicht wegschauen, nicht relativieren, nicht schweigen, sondern stehen bleiben, zuhören, widersprechen, Haltung zeigen.“
Weiter stellte Zypries dar, dass jüdisches Leben in die Mitte der Gesellschaft gehöre, „nicht nur als Erinnerung an die Vergangenheit, sondern als lebendige Gegenwart und als gemeinsame Zukunft“.
Ein besonders bewegender Moment war der Auftritt von drei jüdisch ukrainischen Kindern, die 2022 aus dem Krieg geflohen waren, und sich in einer kurzen und emotionalen Rede bei Büdenbender für ihren Einsatz bedankt haben. Die First Lady hatte die Kinder kurz nach ihrer Ankunft aus dem Kriegsgebiert in Deutschland besucht. „In dieser schweren Zeit hat uns Ihr Besuch viel bedeutet. Sie haben uns gezeigt, dass wir nicht allein sind. Das hat uns Kraft gegeben. Wir wussten nicht, wie unsere Zukunft aussehen würde. Danke für Ihren Mut, Ihre Wärme und Ihre Menschlichkeit.“
Gemeinsam mit den drei jüdisch ukrainischen Kindern und Rabbiner Yehuda Teichtal wurde der Preis an Elke Büdenbender übergeben.

„Wir gehören zusammen“
Anschließend erfolgte die Dankesrede von Elke Büdenbender.
Ihre Dankesrede war sehr emotional mit eindringlichen Worten und der Aufforderung nicht wegzusehen und nicht zu schweigen, sondern positive Gegenwehr zu entwickeln, aber nicht im Sinne von böser Aggressivität. „Es muss zu erkennen sein, dass wir alle gemeinsam zusammenstehen“.
Toleranz, Akzeptanz, Respekt und Nächstenliebe ist ein Kern des Zusammenlebens und des Menschenseins.
„Der Antisemitismus war leider immer da, heute aber zeigt er sich mit neuer Härte und Aggressivität. Viele Jüdinnen und Juden erleben Drohungen in Deutschland, Angst vor Ausgrenzung. Nie wieder ist nicht abgeschlossen. Nie wieder endet nicht. Es ist ein Auftrag, der jeden Tag neu erfüllt werden muss, den jede Generation neu verstehen muss.“
Besonders wichtig ist für Büdenbender die junge Generation, da sie ein feines Gespür für Gerechtigkeit hat, den Mut hat Fragen zu stellen und Erwartungen äußert. Man muss den jungen Menschen Räume geben sich einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und Haltung zu entwickeln, da dies eine Investition in die Zukunft der Demokratie ist.

Aufgelockert und musikalisch begleitet wurde die Preisverleihung von „David Malaev & Friends“, einem Streichquartett, dass Werke von Leonard Cohens „Hallelujah“, Ennio Morricones „Cinema Paradiso“, der erste Satz (Allegro) aus Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ (KV 525), die „Habanera“ aus Bizets „Carmen“ sowie eine Bearbeitung der „Hora“ von Boris Rosenthal für Streichquartett, interpretierten.
Begrüßt wurden die zahlreichen Gäste aus Politik, Wirtschaft, Medien und Zivilgesellschaft vom Rabbiner Yehuda Teichtal. Zu den geladenen, und zugesagten Gästen, zählten die Berliner Senatorinnen Ute Bonde (CDU) und Ina Czyborra (SPD), die Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns, Manuela Schwesig (SPD), die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sowie die frühere Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD), ebenso wie die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Vertreten wurde das Berliner Abgeordnetenhaus unter anderem durch Bettina Jarasch (Grünen) und Anne Helm (Linke), aus dem deutschen Bundestag durch Matthias Hauer (CDU). Ebenfalls unter den Gästen war die frühere Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke). Die Bundesregierung war durch mehrere Staatssekretärinnen und Staatssekretäre vertreten, darunter Petra Bahr für das Bundesbildungsministerium.
Das diplomatische Korps war vertreten durch die Botschafterinnen Livia Leu (Schweiz), Hester Somsen (Niederlande) und Zohour Alaoui (Marokko). Ebenso die Botschafter Nasimi Aghayev (Aserbaidschan), François Delattre (Frankreich) sowie ein Vertreter Polens und der tschechische Botschafter. Auch Dilshad Barzani, Vertreter der Kurdischen Regionalregierung, war anwesend. Israels Gesandter Guy Gilady vertrat den Staat Israel.
Weitere Gäste waren Silke und Holger Friedrich, Verleger der Berliner Zeitung, Jörg Quoos von der Funke-Mediengruppe aber auch Vertreter der Axel Springer Gruppe und des Tagesspiegels. Die Wirtschaft war vertreten durch die IHK Berlin, des VBKI (Verein Berliner Kaufleute und Industrieller) als auch des Handelsverbands Berlin-Brandenburg. Abgerundet wurde der Abend mit einem Empfang.
