Die Zukunft von TXL im Überblick (Foto:Macina / Tegel Projekt GmbH)
Mit der Schließung des Flughafens Berlin-Tegel „Otto Lilienthal“, der am 5. Mai 2020 entwidmet wurde, erhielt Berlin viel freien Raum, und zugleich eine einmalige historische Chance: Auf dem riesigen Areal entwickelt die landes- eigene Tegel Projekt GmbH mit Berlin TXL einen von Grund auf neuen Stadtteil, ein Modellquartier für nachhaltig urbane Innovation.
Die Tegel Projekt GmbH, gehört zu 100% dem Land Berlin, wurde 2011 mit dem Ziel der Nachnutzung des Flughafens Tegel gegründet. Sie ist Eigentümerin eines Großteils der Flächen der „Urban Tech Republic“. Parallel zum Planen, Bauen und Betreiben entwickelt sie ein strategisches Stakeholder-Netzwerk, akquiriert Investoren, vermietet Flächen und ist zuständig für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Sie beschäftigt ca. 100 Mitarbeitende.
Nachnutzungskonzept
Der rote Faden des Nachnutzungskonzepts ist die Vision einer besseren, weil sauberen und sozialen Stadt, hochmodern und innovativ, dabei naturnah und respektvoll im Umgang mit Ressourcen. Fachleute der verschiedensten Disziplinen entwickeln Hand in Hand ganzheitliche Lösungen, die Berlin TXL einzigartig machen. 2021 erfolgte der Startschuss für das Stadtentwicklungsprojekt. Dies zählt zu den größten und ambitioniertesten in ganz Europa.
Innovationspark „Urban Tech Republic“
Der Innovations-Campus „Urban Tech Republic“ wird auf einer Fläche von 202 ha sichtbar. Hier werden künftig urbane Technologien erforscht, entwickelt, produziert, getestet und exportiert. Wissenschaft und Forschung treffen auf Industrie und Gewerbe sowie Startups auf Investoren.
Für den kuratierten Standort wurden sechs Kernthemen definiert:
1. klimaneutrale Energiesysteme und der effiziente Einsatz von Energie
2. umweltschonende Mobilität
3. sauberes Wasser
4. Recycling
5. der Einsatz neuer Materialien für Anwendungen wie nachhaltiges Bauen
6. die vernetzte Steuerung von Systemen.
Bei der „Urban Tech Republic“ geht es darum, gemeinsam das Leben der Menschen in den Städten besser zu machen. Und zwar mithilfe von grünen Zukunftstechnologien in den Kernbereichen Energie, Mobilität, Wasser, Recycling, Werkstoffe sowie Informations- und Kommunikationstechnologien. Aktuell befinden sich ca. 40 Residents auf dem Gelände, u.a. die Solyco Solar AG (Photovoltaik-Module und Solarprodukte), die Alganize GmbH (nutzt die Kraft der Mikroalgen, um Pestizide zu reduzieren), DuraHemp (entwickelt Baustoffe auf Basis von Hanfkalk) oder Germandrones GmbH (Deutschlands führender Hersteller von senkrecht startenden und landenden unbemannten Luftfahrzeugen (VTOL UAV)).
Das „Schumacher Quartier“ als Smart City
Auf dem Areal des ehemaligen Flughafens Tegel entsteht auf 46 ha Fläche ein smartes Wohnquartier, das „Schumacher Quartier“. Dieses wird über 5.000 Wohnungen für mehr als 10.000 Menschen bieten – mitsamt den dazugehörigen Einrichtungen wie Schulen, Kitas, Sportanlagen, Einkaufsmöglichkeiten und viel Grün.
Als nachhaltiges und sozial gemischtes Areal wird das „Schumacher Quartier“ einen wichtigen Beitrag zur Wohnungsbau- und Stadtentwicklungsstrategie der deutschen Hauptstadt leisten. In einer Charta haben sich alle beteiligten Institutionen auf sieben Leitlinien für die Entwicklung des „Schumacher Quartiers“ geeinigt: Dies sind: 1. Urbane Lebensräume, 2. Wohnen für alle, 3. Stadtgrün und öffentlicher Raum, 4. Offene Bildungslandschaft, 5. Klimagerechte und wassersensible Stadtentwicklung, 6. Quartier mit umweltfreund-licher Mobilitätsgarantie, 7. Kommunikation, Partizipation und Transparenz.
Das Prinzip der Schwammstadt
Das Schumacher Quartier ist das Berliner Referenzprojekt für die klimaangepasste und wassersensible Stadtentwicklung, der sogenannten Schwammstadt. Eine Schwammstadt hält Regenwasser in der Siedlung zurück. In Hitzeperioden verdunstet es und kühlt das Quartier so ohne zusätzlichen Energieaufwand. Überschüssiges Wasser sickert langsam ins Grundwasser, statt durch die Kanalisation abgeleitet zu werden.
Mobilitätskonzept:
Das innovative Verkehrskonzept im „Schumacher Quartier“ setzt auf neue Mobilität. Neben aktiver Fortbewegung und dem ÖPNV ergänzen Mobility Hubs als mehrfunktonale Quartiersgaragen mit Bike- und Carsharing, Beratungsleistungen für innovative Verkehrsmittel, Pkw-Stellplätzen, Werkstätten, Geschäften und Paketstationen das Mobilitätsangebot. Alle Mobility Hubs liegen an wichtigen Umsteigepunkten wie Stationen für Bus und U-Bahn.
Energiekonzept: Berlin will bis 2050 klimaneutral werden. Mit einer innovativen Kombination unterschiedlicher Technologien entsteht in Berlin TXL ein urbanes Labor für ein CO2-neutrales Stadtviertel. Das nachhaltige Energiekonzept für einen Standort dieser Größe ist weltweit einzigartig. Es geht weit über die Dekarbonisierung der Energieversorgung hinaus.
Das Besondere: Es handelt sich um ein Low-Exergie-Netz, das es möglich macht, erneuerbare und umweltfreundliche Wärmequellen zu nutzen, mit größtmöglicher Effizienz. Es wird mit Vorlauftemperaturen bis 40 Grad Celsius betrieben. Gegenüber klassischer Fernwärme mit Vorlauftempe-raturen von teils über 100 Grad sind die Verluste im Low-Exergie-Netz deutlich geringer.
FUTR HUB: Der neue Stadtteil soll für die deutsche Hauptstadt ein Vorreiter auf dem Weg zu einer Smart City werden. Dafür brauchen die smarten Quartiere von Berlin TXL auch einen Ort für Innovationen und ein Partner-Netzwerk für die sinnvolle und sichere Nutzung von urbanen Daten. Berlin TXL bekommt eine moderne technische Infrastruktur mit leistungsfähigen digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), um diese Daten sinnvoll und sicher nutzen zu können. Mit der leistungsfähigen IT-Plattform FUTR HUB wird eine vernetzte digitale Infrastruktur aufgebaut.
Der FUTR HUB bildet smartes Umweltmonitoring, Verkehr, Energie- und Regenwassermanagement ebenso wie intelligente Steuerungssysteme für technische Infrastruktur integriert und die Prozesse des Facility Managements am Standort ab.
Nachhaltiges Bauen: Um dem Bedarf an Wohnraum in Berlin klimafreundlich zu begegnen, wird der Werkstoff Holz favorisiert. Holz ist ein wichtiger CO2-Speicher und nachhaltiger Baustoff. Das „Schumacher Quartier“ soll ein Modellquartier für urbanen Holzbau werden, weltweit eines der größten. Schon die Gebäude des ersten Bauabschnitts sollen mit einem Holzanteil von mindestens 50 Prozent entstehen.
Eine Kooperationsstrategie mit Brandenburg für den Aufbau einer Produktionskette für Holzbau und ökologische Baustoffe ist angestrebt, sowie die Zertifizierung nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). In den benachbarten Quartieren „Cité Pasteur“ und „TXL Nord“ sind weitere 4.000 Wohnungen geplant.
Biodiversität als Planungsprinzip: „Animal Aided Design“ macht Berlin TXL zum Lebens- und Rückzugsraum für eine Vielzahl von Tierarten. Nach dieser Planungsmethode werden Freiflächen und Gebäude so gestaltet, dass sie die Bedürfnisse bestimmter Tierarten erfüllen. Für das „Schumacher Quartier“ haben Expertinnen und Experten 14 chancenreiche Zielarten identifiziert.
Des Weiteren entstehen im „Schumacher Quartier“ in unmittelbarer Umgebung rund 30 Hektar öffentliche Grünflächen, Spiel- und Stadtplätze. 190 ha Landschaftsraum der „Tegeler Stadtheide“ gehen in die bestehende Naherholungslandschaft jenseits des ehemaligen Flughafengeländes über und bieten einen großen, neuen naturnahen Erholungsraum. Ein Landschaftspark bildet den Übergang zwischen der „Urban Tech Republic“ und dem östlich angrenzenden „Schumacher Quartier“ | Autor: Christian Grosse