Bundeskongressteilnehmer und Delegierte des Bundesverbandes Liberaler Mittelstand (Foto: N. Pfeffer)
Berlin wurde am Wochenende zum Epizentrum wirtschaftspolitischer Debatten. Der Bundesverband Liberaler Mittelstand feierte im Spreespeicher sein 30-jähriges Jubiläum. Zwischen hochkarätigen Keynotes zu Künstlicher Intelligenz und gesellschaftlichem Neid sendete der Verband mit der neu verabschiedeten „Berliner Erklärung“ ein unmissverständliches Signal an die Politik: Deutschland braucht dringend eine Befreiung von bürokratischer Lähmung und ein klares Bekenntnis zu seinen Unternehmern.
Politisches Fundament: Die Bundesdelegiertenkonferenz
Bevor der feierliche Jubiläumskongress am Mittag seine Türen öffnete, stand der Vormittag ganz im Zeichen der internen politischen Arbeit. Auf der vorgeschalteten ordentlichen Bundesdelegiertenkonferenz kamen die Vertreterinnen und Vertreter aus dem gesamten Bundesgebiet zu einem intensiven Austausch zusammen. Im Zentrum der Debatten stand dabei die strategische Ausrichtung des Verbandes, sowie die detaillierte Ausgestaltung der „Berliner Erklärung“. Nach einer engagierten und konstruktiven Diskussion setzten die Delegierten ein starkes Zeichen der Geschlossenheit: Das wirtschaftspolitische Manifest wurde von der Versammlung fast einstimmig angenommen und damit als offizieller Kurs des Verbandes legitimiert.

Herzliches Willkommen in der Bundeshauptstadt
Den offiziellen Startschuss für den großen Festakt gab anschließend der Berliner Landesvorsitzende des Liberalen Mittelstands und Mitglied des erweiterten Bundesvorstands, Christian Grosse, der die Gäste im vollbesetzten Spreespeicher willkommen hieß. In seiner Ansprache unterstrich er die besondere Bedeutung Berlins als Austragungsort für dieses wegweisende Jubiläum. Er betonte, dass vom Mittelstand, gerade in der jetzigen Zeit, ein starkes Signal des Aufbruchs ausgehen müsse, und stimmte die Teilnehmer erfolgreich auf einen Tag voller Impulse, zukunftsweisender Ideen und starker politischer Botschaften ein.
Klare Worte und deutliche Forderungen der Bundesvorsitzenden
Im Anschluss prägte die Bundesvorsitzende des Liberalen Mittelstands und FDP-Landesvorsitzende aus dem Saarland, Angelika Hießerich-Peter, den inhaltlichen Auftakt. In ihrer Eröffmungsrede zeichnete sie ein ungeschöntes Bild der aktuellen, besorgniserregenden Lage kleiner und mittlerer Betriebe. Sie kritisierte scharf die grassierende Verunsicherung durch sprunghafte politische Entscheidungen, sowie den lähmenden Regulierungsdruck. Hießerich-Peter untermauerte ihre Analyse mit klaren Kernforderungen an die Bundespolitik: Sie forderte eine sofortige Entlastung bei den Energiekosten, spürbare Steuererleichterungen für investierende Unternehmen und einen konsequenten Bürokratieabbau, um den Betrieben wieder die Luft zum Atmen, und die nötige Planungssicherheit zurückzugeben.

Zukunftsdebatten und hochkarätige Impulse im Spreespeicher
Der Jubiläumskongress führte im modernen Ambiente des Spreespeichers zahlreiche Unternehmer, Führungskräfte, sowie prominente Stimmen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Im Zentrum der Diskussionen standen die drängenden Fragen unserer Zeit, darunter der gezielte Einsatz von Künstlicher Intelligenz, die Entwicklung von Future Skills in der modernen Arbeitswelt, sowie die Sicherung der Generationengerechtigkeit.
Für wegweisende Impulse sorgten hochkarätige Speaker: Während FDP-Generalsekretär Martin Hagen ordnungspolitische Akzente setzte, beleuchtete Tech-Experte Prof. Dr. Kamal Bhattacharya die digitale Transformation. Große Aufmerksamkeit zog auch der Historiker und Unternehmer, Dr. Dr. Rainer Zitelmann, auf sich, der in seiner Keynote scharf kritisierte, wie Neid und ein destruktiver Nullsummenglauben den wirtschaftlichen Erfolg in Deutschland blockieren.

Eine lebendige Plattform: Vielfalt in der Aussteller-Area
Wie dynamisch und kreativ das Netzwerk des Mittelstands ist, zeigte sich in der begleitenden Aussteller-Area. Hier präsentierte sich eine facettenreiche Mischung aus Bildung, Politik, Verbandswesen und Handwerk. Neben der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit war unter anderem die IU Internationale Hochschule vertreten, um innovative Bildungswege aufzuzeigen. Für tiefgehende Impulse im digitalen Raum sorgte die Berliner CyberDirekt GmbH als Spezialist für Cyberversicherungen und KMU-Prävention, flankiert vom Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft (BWA).
Gamification im Handwerk: Kreative Wege zur Nachwuchsgewinnung
Ein ganz besonderes Highlight setzte das bayerische Fleischer- und Metzgerhandwerk. Das Gewerk bewies eindrucksvoll, dass Tradition und moderne Nachwuchsgewinnung kein Widerspruch sind: Vorgestellt wurde eine innovative Kampagne, die klassische Ausbildungswerbung mit Elementen aus dem Gaming und interaktiven, spielähnlichen Videos kombiniert. Dieser unkonventionelle Gamification-Ansatz trifft den Nerv der Zeit, Berichten zufolge funktioniert das Modell in der Praxis hervorragend, und konnte bereits spürbar neue Auszubildende für das Handwerk begeistern.

Auszeichnungen für die Leuchttürme des deutschen Mittelstands
Ein emotionaler und feierlicher Höhepunkt des Tages war die Verleihung der begehrten „Entrepreneur Awards“ des Liberalen Mittelstands, mit denen in diesem Jahr zwei herausragende Leuchttürme der Wirtschaft geehrt wurden. Zu den stolzen Preisträgern gehörte zum einen die Mosca GmbH, die als global agierender Spezialist für intelligente Verpackungs- und Umreifungssysteme, traditionelle Werte mit modernster KI-gestützter Produktion und smarter Logistik verbindet.
Zum anderen wurde die Lavabis GmbH ausgezeichnet. Als führender Fachhandel im Bereich Bestattungsbedarf, Thanatologie und Friedhofstechnik beweist das Unternehmen eindrucksvoll, wie ein hochspezialisierter Nischenchampion durch Digitalisierung und absolute Zuverlässigkeit eine fundamentale gesellschaftliche Aufgabe modern und zukunftsfähig gestalten kann. Beide Preisträger stehen sinnbildlich für den Innovationsgeist und die Wandlungsfähigkeit, die das Fundament unseres Wohlstands sichern.

Die Berliner Erklärung: Das Manifest für die Freiheit
Das wichtigste politische Signal des gesamten Wochenendes ging von der beschlossenen „Berliner Erklärung 2026“ aus. Dieses Strategiepapier versteht sich als direkte Antwort auf die anhaltenden bürokratischen Hürden, die hohen Energiekosten und die mangelnde Planungssicherheit, mit denen Betriebe hierzulande täglich kämpfen. Die Erklärung formuliert eine unmissverständliche Absage an überbordende staatliche Regulierung und fordert stattdessen eine Politik, die Innovationen ermöglicht und Eigenverantwortung stärkt. Das Papier betont mit Nachdruck, dass Selbstständige, das Handwerk und die Freiberufler das unersetzliche Rückgrat des gesamtgesellschaftlichen Wohlstands bilden. Mit der Berliner Erklärung will der Verband die Positionen des Mittelstands und die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft wieder fest im Zentrum der Bundespolitik verankern.
Um dieses Fundament dauerhaft zu sichern, fordert die Bundesvereinigung Liberaler Mittelstand e.V. eine bewusste verfassungspolitische Richtungsentscheidung: Die Soziale Marktwirtschaft soll ausdrücklich als Verfassungsprinzip im Grundgesetz verankert werden, da Freiheit, Wettbewerb, Privateigentum, unternehmerische Initiative und soziale Verantwortung eine untrennbare Ordnung bilden. Konkret zielt die Initiative darauf ab, Artikel 15 des Grundgesetzes im Rahmen einer verfassungsändernden Initiative neu zu fassen und durch dieses ausdrückliche Wirtschaftsmodell zu ersetzen. Während das Enteignungsrecht für das Allgemeinwohl nach Artikel 14 Absatz 3 GG unangetastet bleibt, soll der Schutz vor weitreichenden staatlichen Markteingriffen und Vergesellschaftungen, wie sie jüngst in der wohnungspolitischen Debatte über große Immobilienbestände diskutiert wurden, rechtlich manifestiert werden.
Statt den Staat als Ersatz für wirtschaftliche Entscheidungen einzusetzen, fordert das Papier offene Märkte, faire Wettbewerbsbedingungen und eine verlässliche Rechtsordnung, die kleinen und mittleren Unternehmen echte Planungssicherheit bietet. Am Beispiel des Wohnungsbaus wird verdeutlicht, dass verlässliche Investitionsbedingungen, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, sowie mehr Bauland Vorrang vor staatlichen Eingriffen haben müssen, kombiniert mit einer zielgenauen Unterstützung bedürftiger Haushalte. Bundestag, Bundesrat und die demokratischen Parteien sind nun aufgefordert, diese sachliche Debatte über eine Grundgesetzänderung unverzüglich aufzunehmen, um die Leitlinien von wirtschaftlicher Freiheit und sozialer Verantwortung für die Zukunft unumstößlich sichtbar zu machen.
Dank für eine rundum gelungene Organisation
Ein solch facettenreiches und logistisch, anspruchsvolles Großevent verlangt exzellente Arbeit hinter den Kulissen. Ein ganz besonderer Dank des gesamten Verbandes galt daher der Unternehmerin, Marketingexpertin und stellvertretenden Bundesvorsitzenden, Nicole Pfeffer. Als engagiertes Mitglied des Liberalen Mittelstands zeichnete sie für die komplette Organisation der Veranstaltung verantwortlich. Ihrem strategischen Geschick, ihrem Auge fürs Detail und ihrem unermüdlichen Einsatz ist es zu verdanken, dass das gesamte Jubiläumswochenende reibungslos verlief und als rundum gelungener Meilenstein in die Verbandsgeschichte eingeht.

Ausklang beim feierlichen Netzwerk-Empfang
Nach den intensiven Debatten, Ehrungen, dem herzlichen Dank an die Organisatoren und den politischen Weckrufen fand das Jubiläum bei einem atmosphärischen und stilvollen Empfang seinen runden Abschluss. In entspannter Atmosphäre nutzten die Gäste intensiv die Gelegenheit, die Impulse des Tages Revue passieren zu lassen, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende Partnerschaften im direkten Dialog zu vertiefen.
Das 30-jährige Jubiläum im Spreespeicher war damit weit mehr als ein historischer Rückblick, es war ein zukunftsorientierter, kraftvoller Weckruf und ein lebendiges Fest für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
