Rogun Staudamm (Foto: Webuild Image Library August 2026)
Von der sowjetischen Reißbrett-Vision zum teuersten Infrastrukturprojekt Zentralasiens. Nach Jahrzehnten des Stillstands wird die höchste Talsperre der Welt in Tadschikistan, dank einer neuen internationalen Finanzallianz, Realität. Das Megaprojekt verschiebt das geopolitische Machtgefüge der Region grundlegend.
Das Erbe von Nurek: Aufbruch in neue Dimensionen
Wer jemals am Nurek-Staudamm gestanden hat, jenem imposanten, 300 Meter hohen Monument sowjetischer Ingenieurskunst am Wachsche-Fluss, begreift die monumentale Dimension tadschikischer Wasserkraft-Ambitionen. Ich hatte vor zwei Jahren im Rahmen einer Nawruz-Reise die einmalige Gelegenheit, diese gewaltige Anlage selbst zu besichtigen. Sie sichert seit den 1970er-Jahren das wirtschaftliche Überleben des Landes, wie ich bereits in meinem damaligen Bericht „Tadschikistans grüne Energie: Auf dem Weg zum höchsten Staudamm der Welt“ ausführlich analysiert habe (Link: https://newsmark.de/2026/06/09/tadschikistans-gruene-energie-auf-dem-weg-zum-hoechsten-staudamm-der-welt/).
Doch nur knapp 70 Kilometer flussaufwärts , rund 90 Kilometer von der Hauptstadt Duschanbe entfernt, wächst derzeit ein Projekt heran, das Nurek endgültig in den Schatten stellt: Der Rogun-Staudamm. Mit einer geplanten Endhöhe von 335 Metern und einer Dammkrone von 800 Metern Länge, wird er nach seiner Fertigstellung die höchste Talsperre der Erde sein.
Die Vision wird unumkehrbar
Nach Jahrzehnten voller geopolitischer Blockaden, Finanzierungsstopps und technischer Rückschläge, erlebt das Megaprojekt im Jahr 2026 seine entscheidende Beschleunigung. Eine neue Milliarden-Finanzierung durch ein internationales Konsortium treibt den Bau in eine unumkehrbare Phase. Die Kombination aus modernster westlicher Ingenieursleistung und einer breiten globalen Finanzallianz sichert das Vorhaben gegen die Krisen der Vergangenheit ab. Rogun wandelt sich damit von einem nationalen Traum zum realen Epizentrum der zentralasiatischen Energiearchitektur.
Die Geschichte: Ein Jahrhundertprojekt im Griff der Geopolitik
Die Historie von Rogun ist ein Spiegelbild der geopolitischen Verwerfungen Zentralasiens. Erste Pläne für die Kaskadennutzung des Wachsch-Flusses (Вахш) entstanden bereits in den 1960er-Jahren, die eigentlichen Bauarbeiten begannen 1976. Doch der Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991, und der darauf folgende verheerende tadschikische Bürgerkrieg, brachten das Projekt komplett zum Erliegen. Im Jahr 1993 zerstörte zudem eine massive Flutwelle die bereits errichteten temporären Staudämme.
Jahrzehntelang scheiterte der Weiterbau nicht nur am chronischen Geldmangel des verarmten Bergstaates, sondern vor allem am erbitterten Widerstand des flussabwärts gelegenen Nachbarn Usbekistan. Unter dem ehemaligen usbekischen Präsidenten Islam Karimow drohte Taschkent offen mit Krieg. Die fundamentale Sorge der Usbeken: Tadschikistan könne den Flusslauf als geopolitische Waffe nutzen – im Sommer das Wasser für die usbekischen Baumwollfelder rationalisieren und im Winter schlagartig zur Stromerzeugung ablassen. Dieses klassische „Wasser-Energie-Dilemma“ Zentralasiens blockierte über Generationen hinweg jegliche regionale Kooperation.
Erst mit dem Tod Karimows 2016, und der regionalen Öffnung unter dessen Nachfolger Schavkat Mirsiyojev, entspannte sich die Lage. Präsident Emomali Rahmon nutzte das politische Tauwetter sofort: Am 29. Oktober 2016 leitete er persönlich die Umleitung des Wachsch-Flusses ein und vergab den Hauptbauauftrag für das kritische Baulos 2 (Lot 2) an den italienischen Baukonzern Webuild (ehemals Salini Impregilo). 2018 und 2019 gingen die ersten beiden von insgesamt sechs Turbinen im Testbetrieb ans Netz.

Infografik: Die Giganten am Wachsch-Fluss im direkten Vergleich
| Kennzahl | Nurek-Staudamm (Bestand) | Rogun-Staudamm (Ziel 2035) |
| Höhe der Talsperre | 300 Meter | 335 Meter (Weltrekord) |
| Bauart | Steinschüttdamm | Steinschüttdamm mit Lehmkern |
| Installierte Leistung | ca. 3.000 MW | 3.600 MW (6 x 600 MW Francis-Turbinen) |
| Dammkronen-Länge | ca. 700 Meter | 800 Meter |
| Bereits verbautes Material | nicht anwendbar | 49 Millionen Kubikmeter (Stand: 08/2026) |
| Gesamtvolumen des Damms | ca. 54 Mio. m³ | ca. 80 Millionen m³ |
| Hauptbaukonzern | Sowjetische Staatsbetriebe | Webuild (Italien) |
| Exporttrasse | Lokales Netz | CASA-1000 (nach Afghanistan & Pakistan) |
Der aktuelle Stand: Höhenrekorde und der finanzielle Durchbruch
Im Jahr 2026 hat das Projekt eine Dynamik erreicht, die noch vor wenigen Jahren von vielen internationalen Beobachtern bezweifelt wurde. Die Entwicklungen der letzten Monate markieren den endgültigen operativen Durchbruch an der Baustelle. Unter der Führung des italienischen Baukonzerns Webuild schreiten die Arbeiten am 2,3 Milliarden US-Dollar schweren Baulos 2 im Rekordtempo voran. Im August 2026 erreichte der gewaltige Hauptdamm, ein hochkomplexer Steinschüttdamm mit einem wasserundurchlässigen Lehmkern, eine Höhe von 1.155 Metern über dem Meeresspiegel. Das entspricht einer reinen Bauhöhe von rund 190 Metern im Vergleich zu den finalen 335 Metern.
Eine 500-Kilometer-Betonwand im Erdbebengebiet
Eine wahre ingenieurtechnische Meisterleistung vollzieht sich dabei im Untergrund: Um das rissige Gebirge in dieser aktiven Erdbebenzone dauerhaft zu stabilisieren, wurden bereits über 500.000 laufende Meter Bohrungen in den Fels getrieben, eine Strecke, die aneinandergereiht der Distanz von Berlin nach Frankfurt entspricht. In diese Kanäle wird unter hohem Druck eine Spezialbeton-Mischung gepresst. Dieses Verfahren verfestigt nicht nur das Fundament, sondern bildet im Gestein eine gigantische unterirdische Betonwand, den sogenannten Injektionsschleier. Er sorgt dafür, dass das Fundament erdbebensicher verankert ist und kein Wasser unter dem Damm hindurchsickern kann. Mit diesem Meilenstein und den bereits verbauten 49 Millionen Kubikmetern Schüttmaterial steht damit schon weit mehr als die Hälfte des gigantischen Dammkörpers.
Höherer Wasserdruck bringt sofortigen Energiegewinn
Dieser enorme Baufortschritt erlaubt es, den Wasserspiegel im angeschlossenen Reservoir um weitere 40 Meter auf ein neues Niveau von 1.140 Metern über dem Meeresspiegel anzuheben. Das hat unmittelbare, hochgradig positive Konsequenzen für die tadschikische Wirtschaft: Die zwei bereits installierten temporären Turbinen profitieren ab sofort von einem deutlich größeren „Energiesprung“. Durch diese massiv gesteigerte hydraulische Fallhöhe produzieren sie bereits mitten in der Bauphase Strom mit einer signifikant höheren Auslastung. Wie wichtig das Projekt für das Land ist, unterstrich erst kürzlich der offizielle Baustellenbesuch von Staatspräsident Emomali Rahmon und Premierminister Qohir Rasulzoda. Flankiert wird dieser Erfolg durch die termingerechte Lieferung des permanenten Laufrads für die vierte Turbine im September 2026.

Das Ende der finanziellen Isolation
Parallel zu den technischen Höhenrekorden hat Tadschikistan im Jahr 2026 auch an der wirtschaftlichen Front die langjährige Isolation des Projekts durchbrochen. Über viele Jahre hinweg musste Duschanbe den Bau unter extremen Entbehrungen fast vollständig aus dem eigenen, ohnehin stark belasteten Staatsbudget, finanzieren. Sogar die Weltbank hatte das Vorhaben noch im Jahr 2025 aufgrund von ökologischen und makroökonomischen Bedenken temporär auf den Prüfstand gestellt. Im Jahr 2026 folgte jedoch die fundamentale Kehrtwende der internationalen Gemeinschaft. Ein breit aufgestelltes internationales Finanzkonsortium hat verbindliche Kreditzusagen und Fördergelder in Höhe von rund 1,5 Milliarden US-Dollar formalisiert.
Den Kern dieser neuen Finanzarchitektur bildet die Weltbank, die im Juni 2026 eine zweite Tranche über 300 Millionen US-Dollar als reinen Zuschuss genehmigte. Den größten Einzelposten übernimmt die Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB) mit einer geplanten Summe von 500 Millionen US-Dollar, gefolgt von namhaften arabischen Entwicklungsfonds. Auch europäische Partner beteiligen sich aktiv an der Absicherung: Italien steuert über seine Staatsbank Cassa Depositi e Prestiti (CDP) weitere 150 Millionen US-Dollar bei.
Tadschikistan selbst untermauert seinen unbedingten Willen zur Fertigstellung im laufenden Jahr mit einer Rekordinvestition an Eigenmitteln in Höhe von rund 11 Milliarden Somoni, was einer Summe von etwa einer Milliarde US-Dollar entspricht. Das Projekt steht damit finanziell auf dem solidesten Fundament seiner Geschichte.
Die strategische Achse nach Astana: Kasachstan als ökonomischer Schlüsselakteur
Während das Projekt CASA-1000 den Blick primär nach Südasien lenkt, hat sich im Norden eine zweite, ebenso fundamentale geopolitische Dynamik entwickelt: Die enge energiepolitische Allianz zwischen Tadschikistan und der regionalen Wirtschaftsmacht Kasachstan. Kasachstan kämpft im Zuge seines rasanten wirtschaftlichen Wachstums vor allem in den südlichen Provinzen mit steigenden Stromdefiziten zu Spitzenzeiten. Das Land ist deshalb zu einer der wichtigsten Säulen des Rogun-Projekts avanciert.
Das im Jahr 2025 unterzeichnete wegweisende Energieabkommen legt fest, dass Kasachstan über eine langfristige Laufzeit von 20 Jahren (mit einer Option auf 10 weitere Jahre Verlängerung) sauberen Wasserkraftstrom aus Rogun beziehen wird. Dieser wird direkt in das nationale Netz der staatlichen kasachischen KEGOC JSC integriert. Festgelegt wurde ein vertraglicher Basispreis von 0,034 US-Dollar pro Kilowattstunde (kWh) (mit 0 % Mehrwertsteuer), zuzüglich der anfallenden Transitgebühren durch die Nachbarstaaten.

Garantierte Abnahme als Katalysator für Weltbank-Millionen
Für das Wirtschaftsmagazin Newsmark zeigt sich hier die tiefgreifende ökonomische Hebelwirkung des Projekts: Erst diese verlässlichen Abnahmeverträge mit wirtschaftlich stabilen Partnern wie Kasachstan, erfüllten die strengen Vergabekriterien internationaler Großinvestoren wie der Weltbank. Die Verträge sicherten das Fundament für die externe Co-Finanzierung von rund 50 Prozent der verbleibenden Projektkosten ab.
Vom Konfliktherd zum Symbol regionaler Versorgungssicherheit
Gleichzeitig dient Rogun als ökologisches Regulativ für die gesamte Region: Der gigantische Speichersee ermöglicht es, im Sommer kontrollierte Wassermengen für die kasachische und usbekische Agrarwirtschaft abzugeben. Zeitgleich dämpft er im Frühjahr verheerende Hochwasserkatastrophen. Aus dem einstigen potenziellen Konfliktherd ist dank der Kooperation mit Astana ein Symbol für transnationale Ernährungssicherheit und das Balancieren regionaler Stromnetze geworden.
CASA-1000: Der geopolitische Hebel nach Südasien
Die wirtschaftliche Rentabilität von Rogun hängt eng mit einem zweiten Megaprojekt zusammen: CASA-1000 (Central Asia-South Asia Electricity Transmission and Trade Project). Diese überregionale Stromtrasse ist das logistische Puzzlestück. Es soll den tadschikischen Wasserkraftüberschuss dorthin bringen, wo die Nachfrage und die Zahlungsbereitschaft am höchsten sind.
Das asymmetrische Sommer-Dilemma
Die Logik hinter dem Großprojekt basiert auf einer geografischen und klimatischen Asymmetrie zwischen zwei Regionen. Die zentralasiatischen Staaten Kirgisistan und Tadschikistan verfügen über einige der weltweit reichsten sauberen Wasserkraftressourcen. Bedingt durch die sommerliche Gletscherschmelze, intensive Niederschläge und den massiv ansteigenden Wasserfluss aus den Hochgebirgen, produzieren beide Länder in den Sommermonaten einen enormen Stromüberschuss.
Im krassen Gegensatz dazu kämpft das benachbarte Südasien, insbesondere Afghanistan und Pakistan, genau in diesen schwülen Sommermonaten mit einer chronischen und existenzbedrohenden Stromknappheit. Die Folge sind tägliche, stundenlange Blackouts. Diese legen nicht nur die industrielle Produktion lahm und zwingen kleine Unternehmen zur Schließung. Sie gefährden auch das Leben von Millionen Bürgern, die während extremen Hitzewellen keinerlei Zugang zu Kühlmöglichkeiten haben.
Durch die physische Verbindung der Länder über das gemeinsame Übertragungsnetz entsteht eine klassische Win-Win-Situation: Zentralasien monetarisiert seine saisonalen Überschüsse in harte Devisen. Südasien erhält dringend benötigten sauberen Strom, um den allgemeinen Netzzugang zu stabilisieren und die humanitäre Krise zu lindern.

Die technische Infrastruktur
Das hochkomplex konstruierte Übertragungssystem wird nach seiner Fertigstellung ein Gesamtnetz von 1.387 Kilometern Hochspannungs-Wechselstrom- (HVAC) und Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HVDC) umfassen. Dieses System bewegt den Strom hocheffizient zwischen Kirgisistan, Tadschikistan, Afghanistan und Pakistan. Um die nationalen Stromsysteme miteinander zu verknüpfen, entstehen im Norden neue Wechselstrom-Leitungen. Sie transportieren die Energie zu den zentralen HVDC-Anlagen.
Verlustfreier Stromtransport durch modernste Gleichstrom-Technik
Das technologische Herzstück bilden zwei massive Konverterstationen: eine in Sangtuda (Tadschikistan) und die andere in Nowshera (Pakistan). Sie nutzen die hochentwickelte Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ / englisch HVDC). Diese Technologie ist der Schlüssel für das gesamte Projekt: Da herkömmlicher Wechselstrom auf der gewaltigen Strecke von fast 1.400 Kilometern einen enormen Teil seiner Energie als Wärme verlieren würde, verwandelt die Station in Sangtuda den Strom in Gleichstrom.
Dieser fließt nahezu verlustfrei über die Grenzen und durch die Hochgebirge. In Nowshera angekommen, wird er von der dortigen Station wieder in Wechselstrom zurückübersetzt und direkt in das bestehende Netz Pakistans eingespeist. Diese direkte Verbindung minimiert nicht nur die physikalischen Übertragungsverluste drastisch, sondern schützt auch die Netze der beteiligten Länder vor gegenseitigen Stromausfällen.
Geopolitische Wende am afghanischen Transitabschnitt
Während die Infrastruktur im Norden bereits stand, war das Projekt nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan jahrelang blockiert. Erst die Wiederaufnahme der Arbeiten am afghanischen Teilstück im Dezember 2024 brachte die Wende. Aktuellen Berichten aus dem Frühjahr und Herbst 2026 zufolge hat der Bau der afghanischen Transitstrecke die 80-Prozent-Marke überschritten. Das Konsortium rechnet mit einer vollständigen Inbetriebnahme und dem Start des kommerziellen Stromflusses für das erste Quartal 2027. Über CASA-1000 werden dann zu Beginn 1.300 Megawatt sauberen Sommerstroms direkt nach Pakistan und Afghanistan fließen.

Das institutionelle Gefüge hinter CASA-1000
Hinter der technokratischen Fassade der Stromtrasse verbirgt sich eine der komplexesten diplomatischen Konstruktionen Asiens. Gesteuert wird das Projekt strategisch über den Inter-Governmental Council (IGC), in dem sich die Regierungen der vier Teilnehmerstaaten zusammengeschlossen haben. Die operative Koordinierung übernimmt das offizielle CASA-1000-Sekretariat.
Das finanzielle und rechtliche Fundament wird jedoch im Westen und von globalen Entwicklungsbanken gesichert. Neben der US-Entwicklungshilfebehörde USAID, welche die organisatorische Struktur über Jahre finanzierte, ist die Weltbank der finanzielle Dreh- und Angelpunkt. Um das geopolitische Risiko in Afghanistan zu minimieren, hat die Weltbank ein streng überwachtes Offshore-Finanzierungsmodell etabliert. Dadurch fließen Gelder für den dortigen Baufortschritt direkt an die ausführenden internationalen Baukonsortien und nicht in die Kassen der Taliban-Regierung – eine rechtliche Meisterleistung, die das Projekt 2026 erst unumkehrbar gemacht hat.
Zeitplan und ökonomischer Ausblick: Wann fließt der Strom unter Volllast?
Das Rogun-Projekt bleibt ein infrastruktureller Marathon. Der offizielle Fahrplan steht fest:
- 2027: Inbetriebnahme der dritten von insgesamt sechs Turbinen und Beginn der schrittweisen Volllast-Umstellung der bestehenden Turbinen parallel zur CASA-1000-Eröffnung.
- 2035: Vollständige Fertigstellung des 335 Meter hohen Damms und Inbetriebnahme aller sechs Francis-Turbinen unter der operativen Leitung von Webuild.
Die Dimensionen nach der endgültigen Fertigstellung sind atemberaubend: Mit einer installierten Gesamtleistung von 3.600 Megawatt (sechs Turbinen à 600 Megawatt) wird Rogun die Stromproduktion Tadschikistans auf einen Schlag verdoppeln. Das Kraftwerk wird jährlich rund 14.400 Gigawattstunden Strom erzeugen, das entspricht etwa 60 Prozent der gesamten aktuellen Eigenproduktion des Landes.
Die chronischen winterlichen Stromausfälle, die die tadschikische Bevölkerung und Industrie seit den 1990er-Jahren lähmen, werden damit endgültig der Vergangenheit angehören. Neben dem Export Richtung Südasien stehen heute eben jene Partner in Usbekistan und Kasachstan als feste und vertraglich abgesicherte Abnehmer für den tadschikischen Strom bereit. Die einstige Bedrohung einer Wasserkrise hat sich in eine funktionierende, zukunftsweisende regionale Energiepartnerschaft verwandelt.

Exkurs: Webuilds globales Wasserkraft-Portfolio
Das Engagement am Wachsch-Fluss unterstreicht die weltweite Marktführerschaft der italienischen Webuild-Gruppe bei komplexen Megaprojekten im Wasser- und Energie-Sektor. Rogun ist kein isoliertes Experiment, sondern reiht sich in eine historische Erfolgsbilanz von 320 fertiggestellten Dämmen und Wasserkraftwerken weltweit ein.
So zeichnet die Gruppe derzeit unter anderem für den Bau des Grand Ethiopian Renaissance Dam (GERD) am Blauen Nil in Äthiopien verantwortlich, dem größten Wasserkraftwerk Afrikas. Auch Snowy 2.0, das aktuell größte grüne Energieprojekt Australiens, sowie der hochkomplexe Tiefsee-Zufuhr-Tunnel (Hydrauliktunnel Nr. 3) zur Sicherung der Wasserversorgung von Las Vegas am Lake Mead, gehören zu den Referenzen des Konzerns. Diese gebündelte Expertise macht den technischen Erfolg in den extremen Bedingungen des tadschikischen Hochgebirges geopolitisch überhaupt erst kalkulierbar.
Fazit für die Region
Während der Nurek-Staudamm das Symbol für Tadschikistans industrielles Fundament des 20. Jahrhunderts bleibt, avanciert Rogun zum geopolitischen und wirtschaftlichen Schlüsselprojekt des 21. Jahrhunderts in Zentralasien. Trotz verbleibender Restkosten von geschätzten 5,8 Milliarden US-Dollar bis zur endgültigen Fertigstellung im Jahr 2035, zeigt das Jahr 2026: Der Point of no Return ist überschritten. Angetrieben von westlicher Baukompetenz durch Webuild, und abgesichert durch eine neue globale Finanzarchitektur, sowie strategische Allianzen mit Partnern wie Kasachstan, ist Tadschikistan auf dem besten Weg, vom fragilen Binnenstaat zum unumstrittenen Energiegiganten Zentralasiens aufzusteigen.
