
Auch in diesem Jahr fand der Tag der Bauindustrie (TBI26), auf dem EUREF-Campus in Berlin-Schöneberg, statt. An dieser, für die Bauwirtschaft bedeutenden Veranstaltung, die jährlich durch den Hauptverband der Bauindustrie (HDB) organisiert wird, trafen sich über 1.500 geladene Gäste aus Praxis, Politik, Gesellschaft und Wissenschaft.
Ein Jahr nach Start des Kabinetts Merz und dem Beschluss des Sondervermögens steht Deutschlands Infrastrukturpolitik auf dem Prüfstand. Wo wurden wichtige Schritte getan? Wo braucht es mehr Tempo? Was sind die großen Herausforderungen in der Branche? An welchen Stellen sind Gratulationen angebracht? Wo muss es besser werden? Diese und andere Fragen diskutierten die Konferenzteilnehmer in Berlin.
Anwesend waren zudem Verena Hubertz MdB, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, Lars Klingbeil MdB, Vizekanzler und Bundesminister der Finanzen, Dr. Karsten Wildberger, erster Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung und Patrick Schnieder, Bundesminister für Verkehr.
Eröffnet wurde die Konferenz mit einleitenden Dankesworten des Hauptgeschäftsführers Tim-Oliver Müller an den vorherigen Präsidenten des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Peter Hübner, der nach zehn Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit seinen Posten an den neu gewählten Präsidenten, Olaf Demuth, übergab. Auch dieser würdigte die herausragende und zukunftsweisende Arbeit von Hübner. Der zudem als erster Ehrenpräsident des HDB ernannt wurde.
„Lassen wir die Leinen los und setzen wir die Segel“
In seiner Antrittsrede des neuen Präsidenten ging dieser auf sämtliche Themen ein, die für die Bauchbranche von großer Bedeutung sind, dahingehend, dass diese einen wichtigen wirtschaftlichen Faktor leistet aber auch durch Förderprogramme von der Politik unterstützt werden muss. Viele Themen bildeten die Grundlage für die späteren Diskussionspanels mit Experten und Ministern.
Verbunden mit einer direkten Ansprache an die Politik betonte Demuth die Wichtigkeit der Teamarbeit. Denn nur gemeinsam kommt man in diesen herausfordernden Zeiten voran. Dies verglich er mit dem Segeln. „Auf einem Boot gibt es kein ich. Es gibt nur ein wir“.
Schnell, agil und funktional kann der Bau. Der Bau ist längst digital, Innovation findet täglich auf der Baustelle statt und industrielle Prozesse kann der Bau ebenfalls. Er bietet attraktive Gehälter und Beschäftigungschancen für Frauen und Männer. Dies muss die Baubranche auch anbieten, denn in den kommenden Jahren ist ein riesiges Bauvolumen zu stemmen.
Die Branche braucht keine Grabenkämpfe und gegenseitige Anschuldigungen, sondern echtes Unternehmertum. Das Land lebt von starken Baubetrieben, einem leistungsstarken Mittelstand und von kraftvollen großen Unternehmen. Es lebt von Anpackern, die mutig und innovativ sind, die Lösungen entwickeln, Risiken eingehen und gestalten.
Weiter verwies Demuth auf die vielen Herausforderungen der Baubranche, wozu Produktivitätshemmnisse, Regulatorik, Bürokratie, Fachkräftesicherung genauso wie Fachkräftesuche, Digitalisierung und Nachhaltigkeit gehören. Transformation wird nur miteinander gelingen.
Die Aufgaben sind enorm, beispielweise der Wohnungsbau, der zaghafte Lebenszeichen bei den Baugenehmigungen zeigt, der jedoch nicht so richtig in Schwung kommt. Der Auftragseingang ist negativ. 50 Prozent der Unternehmen klagen über Auftragsmangel. Auch die Warnsignale in der Infrastruktur stehen weiter auf Rot. Aktuell ist auch Kurzarbeit angesagt, zum Beispiel im Brückenbau. Dies kann kein Dauerzustand sein und zeigt die Unterschiede zwischen den einzelnen Bausparten auf.
Die Baubranche ist 2026 hoffnungsvoll in das neue Jahr gestartet. Es wurde mit einem Umsatzplus von 2,5 Prozent gerechnet, getragen durch Sondervermögen, Projekte im Bereich Leitungsbau und Bahnbau, während der Straßenbau noch zu kämpfen hat. Auch hier ist der Auftragseingang im Minus.

Die Hoffnung auf baldige Besserung wurde durch den Irankrieg und den Nahostkonflikt zunichte gemacht. Preise steigen und mit ihnen die Unsicherheit in der Branche.
Demuth wies auf den Erfolg der Baubranche hin. Fast eine Million Beschäftigte sind in der Branche tätig, mehr als 200.000 als vor 10 Jahren. Die Lage ist diffizil und Erholung ist kein Selbstläufer. Die Bundesregierung muss kurzfristig für Entlastung sorgen.
Demuth forderte die Ministerin auf, sich für die Baubranche einzusetzen. Die Bundesregierung muss Reformeifer beweisen.
Die Branche braucht mutige Impulse und die Politik Mut zur Entscheidung. Dieser Mut muss endlich kommen. Gelingt dies nicht, geht die Rechnung der Politik nicht auf. Die 500 Mrd. Euro Sondervermögen sollen genau dieses Wachstum befördern und stimulieren.
Bauen darf nicht an Einzelinteressen scheitern. „Wir brauchen einen neuen gesellschaftlichen Konsens, dass Bauen für den Zusammenhalt in diesem Land wirklich notwendig ist“. Ein echter Wille der Bundesregierung mit Maßnahmen für mehr Wohnungsbau über sich hinauszuwachsen ist das Ziel. Keine Enteignungsdebatten und keine Mietenregulatorik, stattdessen einen „Bau-Turbo 2“.
Der neue Präsident verwies zudem auf einen Neustart bei der Gebäude Typ E Diskussion. Hier ist sich die Fachwelt einig.
Die Themen Bürgerbeteiligung und Umweltschutz, ein hohes Gut für die Gesellschaft, müssen weniger, im Gegensatz zum eigentlichen Bauen, diskutiert werden. „Wenn jedes Bauvorhaben zu jedem Zeitpunkt gestoppt werden kann, wie beispielweise große Infrastrukturprojekte, lähmen wir uns selber“.
Irgendwann muss ausdiskutiert sein, ob ein Bauvorhaben kommt oder nicht kommt. Er stellte die Frage in den Raum, wie man es der Bevölkerung erklären kann, dass man sich für ein Bauprojekt entscheidet, aber erst eine Generation später die Bagger rollen. Politik und Verwaltung müssen daher die Stichtagsregelung auf EU Ebene durchsetzen.

Weiter ging Demuth auf das Vergabebeschleunigungsgesetz ein, dass es mehr Freiheiten ermöglichen soll. Doch bezeichnete er dies nicht als großen Durchbruch. „Der Bundeskanzler will, dass alles gebaut wird was baureif ist. Das finde ich gut. Wir erwarten Bauprogramme für Straßen, Brücken und auch Schiene. Es braucht Jahr für Jahr Investitionen, auch im Bereich der Wasserstraßen“.
Die Eckwerte des Bundeshaushalts für 2027 zeigen jedoch in eine andere Richtung. 1 Mrd. Euro weniger sollen für Verkehrswege zur Verfügung stehen. Das kann nicht der Anspruch sein. Darüber muss mit dem Finanzminister gesprochen werden.
Abschließend ging der DHB Präsident auf die Idee ein, von staatlicher Seite eine Bundeswohnungsbaugesellschaft ins Leben zu rufen, was später mit dem Finanzmister Klingbeil intensiv diskutiert wurde.
„Wir sind noch nicht über den Berg“
Verena Hubertz betonte in ihrer Rede, dass in 2025 die Baugenehmigungen und die Auftragseingänge gestiegen, aber noch längst nicht über den Berg sind. Zudem erwähnte sie neben den Themen „Bau-Turbo“, Upgrade Baugesetzbuch, Gebäude-Typ-E und dem seriellen Bauen, dass es geschafft wurde, Investitionen zu priorisieren und zu mobilisieren.
Rekordinvestitionen in den Sozialen Wohnungsbau (Ländern wird im Zeitraum 2025 bis 2029 eine Rekordsumme von 23,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt). Ebenfalls Rekordinvestitionen in die Städtebauförderung (Mittel für die Städtebauförderung werden von 790 Millionen Euro in 2025 schrittweise bis 2029 auf 1,58 Milliarden Euro verdoppelt). Auch stellte sie die langfristige Absicherung der Neubauförderprogramme dar.

Traditionell kamen an diesem Tag auch die Mitglieder des FrauenNetzwerks-Bau zum Austausch zusammen. Das Netzwerk ist eine Plattform zum Austausch (ca. 850 Mitglieder) und dient der gegenseitigen Förderung von Frauen in der Baubranche.
Die öffentlichkeitswirksame Gründung des Netzwerks fand am 21.09.23 statt. Am Tag der Bauindustrie 2026 übergab HDB-Vizepräsidentin Jutta Vogt die Schirmherrschaft an Ministerin Hubertz, die sie gerne annahm.
In der Talkrunde „Infrastrukturinvestitionen als Standortfaktor – Lehren aus einem Jahr Sondervermögen“ wurde eine Bestandsaufnahme mit hochrangigen Vertretern aus Politik, Bahn und Wirtschaft vorgenommen. Die Erkenntnis war eindeutig: Von den angekündigten Mitteln kommt in der Bauindustrie bislang zu wenig an, vor allen Dingen nicht mit der notwendigen Geschwindigkeit und Wirkung. Die ursprünglich zugesagte Zusätzlichkeit der Mittel ist auf Länderebene faktisch entfallen. Auf Bundesebene bleibt sie in der praktischen Umsetzung zu eng gefasst. Damit bleibt der erhoffte Investitionsimpuls bislang deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Auf den beiden Diskussionspanels wurde intensiv mit den Ministern und Experten aus der Bauindustrie über weitere Themen wie Vergabebeschleunigung, Infrastrukturzukunftsgesetz, digitale Verfahren und neue Impulse im Wohnungsbau – wie „Bau-Turbo“ und Gebäudetyp E –, die Novelle des Baugesetzbuches sowie eine neue Förderlandschaft diskutiert, um endlich Planungssicherheit zu schaffen und Investitionen möglich zu machen.
Der „Bau-Turbo“ wurde vom Bundestag im Oktober 2025 beschlossen, um Bauprozesse zu beschleunigen. Damit sollen Abweichungen von bauplanungsrechtlichen Vorschriften ermöglicht werden. Beispielsweise kann eine Kommune auf die Aufstellung eines aufwendigen Bebauungsplans verzichten oder in begründeten Fällen von Lärmschutzvorgaben absehen.
Diskutiert wurde auch, wie die Attraktivität der Bauindustrie erhöht werden kann, welche Lehren aus einem Jahr Sondervermögen für die Infrastruktur und Klimaziele im Gebäudesektor gezogen wurden.
Die Diskussion beim Tag der Bauindustrie hat gezeigt, dass Infrastruktur kein Randthema ist. Es ist der zentrale Hebel für Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Resilienz der Bundesrepublik Deutschland.
Für die Bauindustrie ist ein entschlossenes Handeln der Bundesregierung der Schlüssel für verlässliche Investitionen. Durch sie kann die Bauindustrie nicht nur ein starker Arbeitgeber für knapp eine Million Beschäftigte sein. Sie sind vor allem das Fundament für die Stärkung des Wirtschaftsstandorts und die konjunkturelle Erholung der Volkswirtschaft.
