Astana International Financial Center (AIFC) (Foto: C. Grosse)
Kasachstan treibt seine digitale Transformation mit hoher Geschwindigkeit voran und startet eine umfassende Initiative zur Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI) im nationalen Bildungssystem. Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat ein entsprechendes Dekret unterzeichnet, das die schrittweise Integration von KI-Technologien in weiterführenden Schulen des Landes vorsieht. Ziel ist es, die Bildungsqualität nachhaltig zu verbessern, digitale Kompetenzen frühzeitig zu fördern und die technologischen Unterschiede zwischen urbanen und ländlichen Regionen zu verringern.
Nach Angaben der Regierung soll bis zum 1. Juli 2026 ein umfassender nationaler Aktionsplan für die Jahre 2026 bis 2029 verabschiedet werden. Dieser umfasst unter anderem den Ausbau digitaler Infrastruktur, die Einführung personalisierter Lernmodelle, die Entwicklung nationaler Standards für den KI-Einsatz im Unterricht sowie Maßnahmen zum Datenschutz und zur Cybersicherheit.
Bereits ab August 2026 sollen erste Pilotschulen mit moderner technischer Ausstattung und leistungsfähigem Internet versorgt werden.
Ein zentraler Bestandteil der Strategie ist die gezielte Unterstützung von Lehrkräften. Die neuen Technologien sollen den Unterricht ergänzen und Pädagoginnen und Pädagogen entlasten, nicht ersetzen. Deshalb plant die Regierung ein landesweites Weiterbildungsprogramm, um Lehrerinnen und Lehrer im Umgang mit KI-Anwendungen zu schulen und neue didaktische Konzepte zu etablieren.
Kooperation mit TOP Universität
Die Bildungsinitiative ist Teil der umfassenden Digitalstrategie Kasachstans. Präsident Tokajew hat das Jahr 2026 zum „Jahr der Digitalisierung und künstlichen Intelligenz“ erklärt. Es wurde ein neues Ministerium für Künstliche Intelligenz und digitale Entwicklung gegründet. Mit Alem LLM wurde ein eigenes, großes kasachischsprachiges KI-Modell veröffentlicht. Damit soll das Ziel verfolgt werden, sich als führender Innovations- und Technologiestandort Zentralasiens zu positionieren.
Internationale Kooperationen spielen dabei eine wichtige Rolle. So arbeitet Kasachstan unter anderem mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) zusammen, um moderne KI-Kompetenzen frühzeitig in Schulen zu vermitteln und insbesondere den naturwissenschaftlichen Unterricht weiterzuentwickeln.
Das Massachusetts Institute of Technologyist eine weltweit führende, private Forschungsuniversität in Cambridge, Massachusetts (USA). Gegründet 1861, gilt sie als Elite-Hochschule, die besonders in den Bereichen Ingenieurwesen, Naturwissenschaften, Künstliche Intelligenz und Technologie führend ist. Das MIT ist bekannt für seine starke Verbindung von Forschung und Lehre mit Fokus auf Innovation und technologische Entwicklung.
Die Hochschule belegt regelmäßig Spitzenplätze in internationalen Rankings, oft als beste technische Hochschule der Welt. Pionierarbeit leistet das MIT in den Bereichen wie künstlicher Intelligenz, Quantencomputing, Biologie und Ingenieurwissenschaften.
Parallel dazu baut das Land sein Netzwerk sogenannter „Tomorrow Schools“ aus, also spezialisierter KI-Schulen, die bereits in mehreren Regionen eröffnet wurden und Schülerinnen und Schüler gezielt auf die digitale Arbeitswelt vorbereiten sollen.

Digitale Vorreiterrolle
Mit dem neuen Dekret zählt Kasachstan international zu den Vorreitern bei der systematischen Integration von Künstlicher Intelligenz in die schulische Bildung und unterstreicht seinen Anspruch, langfristig eine führende Rolle im digitalen Wandel Eurasiens einzunehmen.
Kasachstan hat sich in den letzten Jahren von einem ressourcenabhängigen Staat zu einem regionalendigitalen Vorreiter in Zentralasien entwickelt. Die Regierung verfolgt eine Strategie zur digitalen Transformation, die darauf abzielt, das Land bis 2029 vollständig zu digitalisieren. In einigen Bereichen ist Kasachstan bereits Vorreiter, auch für westliche Industriestaaten. Im Bereich E–Government und digitale Dienstleistungen nimmt Kasachstan bereits Spitzenpositionen ein.
Über 90 % der öffentlichen Dienstleistungen sind mittlerweile digital verfügbar. Millionen Bürger nutzen aktiv das eGov-System und die dazugehörigen Apps. Kasachstan hat sich im „UN E-Government Development Index“ auf Platz 24 (Stand 2024) verbessert – noch vor Uruguay, Frankreich oder der Schweiz.
Besonders hervorzuheben ist der 10. Platz weltweit im Online Service Index (OSI), womit das Land bei digitalen Verwaltungsdienstleistungen vor vielen westlichen Nationen liegt. Digitale Dokumente sind im Alltag – auch bei Polizeikontrollen oder Bankgeschäften – vollständig anerkannt.
Infrastruktur- und Konnektivitätsausbau (2025–2026)
Die Internetabdeckung in Kasachstan ist vorbildlich.Über 93 % der Bevölkerung haben Zugang zum Internet. Seit 2025 wird das 5G-Mobilfunknetz in den Großstädten Astana und Almaty aktiv ausgebaut, mit dem Ziel einer breiten Abdeckung bis 2027. Die Einführung von Satelliteninternet mit SpaceX Starlink soll die Konnektivität in entlegenen, ländlichen Gebieten – über 3.000 Dörfer – bis 2026 sicherstellen.
MassiveInvestitionen werden in Datenzentren getätigt, um eine eigene „Data Center Valley“-Infrastruktur aufzubauen.
künstliche Intelligenz (KI), IT-Sektor und Start-ups
Der internationale Technologiepark „Astana Hub“ ist das Herzstück des Wachstums, mit über 1.800 ansässigen IT-Unternehmen. Kasachstan exportiert zunehmend IT-Services mit dem Ziel für 2026 ein Exportvolumen von über 1 Milliarde US-Dollar zu erreichen.
Die digitale Wirtschaft hat Fahrt aufgenommen. Kasachstan verfügt über extrem fortgeschrittene Banking-Apps – wie Kaspi.kz- die weit über Finanzdienstleistungen hinausgehen und als Plattform für E-Commerce, öffentliche Dienstleistungen und Zahlungen dienen.
Das Land ist, nach den USA, einer der größten Standorte für Bitcoin-Mining weltweit und reguliert die Krypto-Industrie stark, um sie in den legalen Rahmen zu integrieren.
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass Kasachstan auf der digitalen Überholspur ist. Die Strategie von Präsident Tokajew umfasst, bis 2029, die Ausbildung von 100.000 IT-Spezialisten, den Ausbau von 5G und die Etablierung als führender digitaler Hub in Eurasien.
