Shavkat Mirziyoyev, Präsident der Republik Usbekistan. Eröffnungsrede auf dem TIIF-2026 Forum in Taschkent (Foto: Botschaft der Republik Usbekistan in der Bundesrepublik Deutschland)
Das fünfte Taschkent International Investment Forum (TIIF-2026) in Usbekistan ist mit einem Allzeithoch zu Ende gegangen. Während der dreitägigen Konferenz wurden 166 Vereinbarungen mit einem Gesamtvolumen von 43,1 Milliarden US – Dollar unterzeichnet. Davon entfallen allein 31,8 Milliarden US-Dollar auf 139 neu initiierte Großprojekte.
Zahlen und Fakten zum Rekordjahr 2026:
- Teilnehmer: Mit über 10.409 Gästen wurde eine Verdreifachung gegenüber 2022 erreicht.
- Internationalität: 3.802 Delegierte aus 102 Ländern unterstrichen den globalen Charakter.
- Politische Präsenz: 76 Regierungsvertreter waren anwesend (Vorjahr: 26).
Über das Taschkent International Investment Forum:
Das Taschkent International Investment Forum (TIIF) ist die zentrale Plattform Usbekistans zur Vorstellung des wirtschaftlichen Potenzials des Landes und zur Gewinnung ausländischer Direktinvestitionen. Es führt jährlich führende Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Finanzwesen zusammen, um die regionale Integration und den Ausbau globaler Handelswege voranzutreiben.
Qualitativer Wandel der Investorenbasis
Ein zentraler Erfolg des Forums war die neue Qualität der Teilnehmer: 3.145 Vertreter aus der Realwirtschaft nahmen teil – 1.480 mehr als im Vorjahr. Darunter befanden sich Schwergewichte wie BlackRock, JPMorgan Chase, Citibank, Visa, BP, Airbus, John Deere und Meta. Das verwaltete Vermögen dieser Konzerne beläuft sich auf rund 42 Billionen US-Dollar. Dies belegt das langfristige Interesse von internationalem Großkapital an Usbekistans Industrie und Infrastruktur.
Starke internationale Medienpräsenz
Auch die mediale Resonanz verdoppelte sich fast: 209 akkreditierte Journalisten aus 123 Redaktionen (41 Länder) berichteten vor Ort. Neben führenden nationalen Medien waren internationale Größen wie Bloomberg, Reuters, Nikkei, Euronews, BBC News, CGTN, TRT, Xinhua und The Independent vertreten.
Zentrale Impulse
Eröffnet wurde das Forum durch eine richtungsweisende Plenarsitzung unter der Leitung des usbekischen Präsidenten Shavkat Mirziyoyev, der den klaren wirtschaftlichen Kurs des Landes hervorhob.

Strategische Modernisierung und globale Partnerschaften
Das Programm umfasste im Jahr 2026 insgesamt 34 Podiumsdiskussionen, acht Investitionsgespräche sowie sieben große bilaterale Wirtschaftsforen. An diesen beteiligten sich unter anderem die Vereinigten Staaten, China, die Republik Korea, die Türkei, Saudi-Arabien, Aserbaidschan und die VAE.
Die thematischen Schwerpunkte konzentrierten sich dabei gezielt auf strategische Sektoren der wirtschaftlichen Modernisierung wie erneuerbare Energien, kritische Mineralien, neue Verkehrskorridore und künstliche Intelligenz. Auch die digitale öffentliche Verwaltung, islamische Finanzen sowie Agrarwirtschaft und Ernährungssicherheit standen im Fokus.
Präsident Shavkat Mirziyoyev betonte in seiner Ansprache, dass die strategische Ausrichtung der usbekischen Investitionspolitik weit über den reinen Zufluss von ausländischem Kapital hinausgeht. Für das Land wirken Investitionen vielmehr als Katalysator für moderne Technologien, fundiertes Wissen und Fachkompetenz, die zukunftssichere Arbeitsplätze schaffen und die Entwicklung im globalen Wandel vorantreiben.
Finanzmarktreformen und der Erfolg am Kapitalmarkt
Die Nachhaltigkeit dieses Reformprogramms stand auch im Mittelpunkt der Gespräche mit internationalen Investorinnen und Investoren. Julia Hoggett, Vorstandschefin der Londoner Börse, verwies darauf, dass tiefgreifende Reformen belegbare Ergebnisse brauchen. Während sich solche Veränderungen nicht über Nacht vollziehen, lieferten die vergangenen Jahre mittlerweile substanzielle Beweise für den Erfolg.
Ein Meilenstein dieser Entwicklung ist die erfolgreiche Doppelnotierung des Nationalen Investmentfonds Usbekistans (UzNIF) in London und Taschkent. Der Fonds, der Beteiligungen an 13 staatlichen Unternehmen hält, stieß auf eine enorme Nachfrage von über 2,8 Milliarden US-Dollar und spielte fast 700 Millionen US-Dollar ein.
Marius Dan, Zentralasien-Chef des zuständigen Vermögensverwalters Franklin Templeton, sieht in dieser Notierung einen wegweisenden Schritt hin zu einem breiter aufgestellten, leistungsstarken heimischen Kapitalmarkt.
Er prognostiziert für die kommenden fünf Jahre eine grundlegende Transformation des Marktes, geprägt von mehr börsennotierten Unternehmen, höherer Liquidität und einer stärkeren Beteiligung ausländischer institutioneller Anleger.
Um dieses Wachstum langfristig abzusichern, verweist die Regierung auf die seit 2017 umgesetzten Reformen. Diese haben Steuern gesenkt sowie Beschränkungen beim Währungsumtausch und beim Transfer von Gewinnen ins Ausland aufgehoben. Laut dem Minister für Investitionen, Industrie und Handel, Laziz Kudratov, ist es Investoren heute möglich, erzielte Einnahmen innerhalb eines einzigen Tages aus dem Land zu transferieren.

Usbekistan plant steuerfreies Finanzzentrum
Usbekistans Präsident Shavkat Mirziyoyev hat auf dem Forum weitreichende Reformen angekündigt. Im Fokus steht die Etablierung des „Tashkent International Financial Center“, einer steuer- und zollfreien Zone nach englischem Common Law. Damit will das zentralasiatische Land gezielt ausländische Investoren anlocken. Die neue Wirtschaftszone besticht durch äusserst attraktive Rahmenbedingungen:
- Steuerfreiheit: Gewinn-, Mehrwert- und Grundsteuer sowie Zölle werden vollständig erlassen.
- Freier Kapitalverkehr: Transaktionen in beliebigen Währungen werden ohne Einschränkungen garantiert.
- Fokus auf die Zukunft: Die Zone soll gezielt digitale Vermögenswerte, Finanztechnologien (FinTech) und grüne Finanzen fördern
- Unabhängige Regulierung: Eine eigene Regulierungsbehörde sorgt für Investitionssicherheit und internationale Glaubwürdigkeit.
Mirziyoyev betonte in seiner Eröffnungsrede die Offenheit Usbekistans für gleichberechtigte und vorteilhafte Partnerschaften, um auch bislang zögernde internationale Kapitalgeber zu gewinnen. Das Konzept orientiert sich an Vorbildern wie dem Dubai International Financial Centre und dem Astana International Financial Centre (AIFC) in Kasachstan.
Hochkarätige Diplomatie und starke US-Präsenz
Das Forum spiegelte auch eine hohe diplomatische Dynamik wider. Die Konferenz fiel mit den Staatsbesuchen des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und des albanischen Präsidenten Bajram Begaj zusammen. Zudem reisten Regierungschefs und hochrangige Vertretungen aus Albanien, Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisistan, Russland, Tadschikistan und Weißrussland an.
Ein parallel stattfindendes US-usbekisches Wirtschaftsforum führte Vertreterinnen und Vertreter von 193 US-Unternehmen zusammen. Spitzenmanager von globalen Konzernen traten in direkten Austausch mit der usbekischen Regierung, um über Handel, Transport, Energie, regionale Zusammenarbeit und die Reform der Kapitalmärkte zu beraten.
Infrastrukturwandel: Von der Randlage zur globalen Vernetzung
Langfristig veränderten neue Transportwege die Wahrnehmung der Region. Während Zentralasien aufgrund der großen Distanz zu den Weltmärkten oft als isoliert galt, eröffnen neue Eisenbahnstrecken, Energieleitungen und Transportkorridore jetzt direkte Routen nach Europa, Asien und zu südlichen Seehäfen. Zu den strategischen Schlüsselprojekten gehören die Bahnlinie China–Kirgistan–Usbekistan, der Mittlere Korridor über das Kaspische Meer und die geplante Trans-Afghanische Route.
Diese Infrastrukturmaßnahmen sollen der Region ohne eigenen Meereszugang eine optimale internationale Anbindung garantieren. Davon profitiert auch der Tourismussektor, in dem Usbekistan gezielt die Angebote im höherwertigen Segment ausbauen und die Ausgaben der Besucher steigern möchte, wie Abdulaziz Akkulov, Vorsitzender des staatlichen Tourismusausschusses, erklärte.
„Usbekistan besitzt das Potenzial, jährlich bis zu 15 bis 20 Millionen ausländische Touristen zu empfangen und touristische Dienstleistungen im Wert von mindestens 15 Milliarden US-Dollar anzubieten“, erklärte Präsident Shavkat Mirziyoyev auf der Plenarsitzung des Forums. Der Staatschef betonte damit die herausragende Bedeutung des Landes als internationale Tourismusdestination.
Auch internationale Entwicklungsbanken bewerten die Perspektiven der Region neu. Marek Mora, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank, bezeichnete Zentralasien als eine der beeindruckendsten Wachstumsregionen weltweit und erklärte, es sei nur eine Frage der Zeit, bis in der Fachwelt von den „zentralasiatischen Tigern“ gesprochen werde.

(Foto: C. Grosse)
Wachstumstreiber: Digitalisierung, grüne Energie und Rohstoffe
Usbekistan nutzt die verbesserte Vernetzung gezielt für Branchen mit hoher Wertschöpfung. Digitalisierungsminister Sherzod Shermatov legte dar, dass die jährlichen IT-Exporte des Landes von weniger als einer Million US-Dollar im Jahr 2017 auf eine Milliarde US-Dollar im vergangenen Jahr gestiegen sind. Parallel dazu plant die Regierung, den Anteil grüner Energie an der Stromerzeugung auf 54 Prozent zu steigern und verstärkt Investitionen in Netze, Speicher, künstliche Intelligenz und Rechenzentren zu lenken.
Laut Rajit Nanda, Chef des Energie- und Infrastrukturunternehmens DataVolt, sind für die erfolgreiche Nutzung von KI die Faktoren Kapital, Energie und Talent gleichermaßen entscheidend.
Zusätzliches Potenzial bieten die gewaltigen Bodenschätze des Landes, deren Wert die Regierung auf rund 3 Billionen US-Dollar schätzt – darunter bedeutende Vorkommen an Gold, Kupfer, Uran und anderen strategischen Rohstoffen.
Mark Robinson, geschäftsführender Direktor der Initiative für Transparenz in der Rohstoffindustrie (EITI), mahnte in diesem Zusammenhang jedoch an, dass Ressourcenreichtum nicht automatisch breiten Wohlstand generiert, sondern von den Ländern aktiv in langfristige, gesellschaftliche Vorteile übersetzt werden muss.
Direktes Mitspracherecht für die Wirtschaft
Für das Vertrauen internationaler Akteure ist auch die Stimmung im eigenen Land ausschlaggebend. Der EU-Sonderbeauftragte für Zentralasien, Eduards Stiprais, betonte, dass der Glaube der eigenen Bevölkerung an die Sicherheit von Investitionen und den Ausbau lokaler Unternehmen das stärkste Signal an den Rest der Welt sei.
Um ausländischen Investoren eine direkte Stimme bei der Gestaltung der Wirtschaftspolitik zu geben, wurde der Ausländische Investorenrat (Foreign Investor Board) etabliert. Diesem Gremium gehören mittlerweile 85 Unternehmen aus 19 Ländern und 23 Branchen an. Seine Arbeit mündete bereits in 21 Initiativen. Zudem wurden bereits 8 normative Rechtsakte verabschiedet und 16 Arbeitsgruppen geschaffen.
Zum Abschluss des Forums kündigte die Regierung an, dass 120 neue Empfehlungen des Rates zu den Bereichen Banken, Energie, künstliche Intelligenz, Kapitalmärkte und Unternehmensführung in eine offizielle Reform-Roadmap einfließen werden. Deren Umsetzung wird strikt überwacht, wobei die Fortschrittsberichte direkt an Präsident Shavkat Mirziyoyev übermittelt werden.
Das Forum unterstrich seine wachsende Bedeutung als globale Wirtschaftsdrehscheibe. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Treffens stehen nun die Finanzierung und die praktische Umsetzung der Projekte im Fokus.
