Zuckersteuer am, besten auf alle Getränke - auch ohne Zucker (KI-Bild)
Zuckersteuer kommt – auch ohne Zucker! Gerade steht eine Limonade von Paul Berger vor mir. Geschmacksrichtung Zitrone. 4,3 g Zucker auf 100 ml. Das wäre künftig Zuckersteuerfrei. Eine Zero-Variante mit Süßstoff und ganz ohne Zucker würde pauschal mit 26 Cent pro Liter besteuert werden.
Die Bundesregierung plant eine Zuckersteuer, die weit über klassische Softdrinks hinausreicht – und damit eine Debatte entfacht, die an Absurdität kaum zu überbieten scheint. Offiziell geht es um Gesundheit, um Prävention, um die Reduktion von Zucker im Alltag. Doch die geplante Ausweitung auf zuckerfreie Getränke zeigt, dass hier ein fiskalisches Instrument entsteht, das weniger mit Ernährungslenkung und mehr mit Einnahmeoptimierung zu tun hat.
Die Ausgangsfrage ist so simpel wie provokant: Wenn jeder Mensch zwei Liter am Tag trinken soll – warum dann nicht gleich eine Steuer auf Wasser? Genau diese Logik treibt Kritiker*innen um. Denn die geplante Zuckersteuer soll nicht nur zuckerhaltige Limonaden, Energydrinks oder Eistees erfassen, sondern auch Produkte, die gar keinen Zucker enthalten, dafür aber Süßstoffe. Cola Zero, Light-Limonaden, aromatisierte Wässer, Haferdrinks – alles soll künftig besteuert werden. Die Begründung: Süßstoffe könnten das Verlangen nach Süßem fördern. Ein wissenschaftlich umstrittener Ansatz, der in der Praxis vor allem eines bedeutet: Die Steuer trifft auch jene, die bewusst auf Zucker verzichten.
Was genau geplant ist
Die Regierung will ab 2027 eine gestaffelte Zuckerabgabe einführen. Ab 4,5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter fallen 26 Cent pro Liter an, ab 7 Gramm 32 Cent, ab 10 Gramm 38 Cent. Parallel dazu soll eine Pauschalabgabe für Getränke mit Süßstoffen gelten – unabhängig vom tatsächlichen Gesundheitsrisiko. Damit wird die Steuer zu einem Breitbandinstrument, das nahezu alle Getränkekategorien erfasst.
Warum diese Ausweitung?
Offiziell lautet die Antwort: Lenkungseffekt. Die Steuer soll Hersteller motivieren, Zucker zu reduzieren und Verbraucher*innen zu gesünderen Alternativen führen. Doch die Ausweitung auf zuckerfreie Produkte widerspricht diesem Ziel. Sie schafft keine Anreize zur Reformulierung, sondern belastet schlicht den Konsum süßer Geschmacksprofile – egal ob mit oder ohne Zucker.
In England, wo die Soft Drinks Industry Levy seit 2018 gilt, zeigt sich ein anderes Bild. Dort wird ausschließlich der tatsächliche Zuckergehalt besteuert. Das führte zu einer massiven Reformulierung: Über 50 Prozent der Getränke wurden zuckerärmer oder komplett umgestellt. Zero- und Light-Produkte wurden bewusst nicht besteuert, weil sie als gesundheitlich vorteilhafte Alternative gelten. Die deutsche Regierung hingegen wählt den entgegengesetzten Weg – und riskiert, dass die Steuer ihren gesundheitspolitischen Zweck verfehlt.
Wirtschaftliche Folgen
Für die Getränkeindustrie bedeutet die Ausweitung eine erhebliche Belastung. Hersteller müssen nicht nur ihre Rezepturen überdenken, sondern auch höhere Produktions- und Logistikkosten einkalkulieren. Kleine Betriebe könnten unter dem administrativen Aufwand leiden, während große Konzerne die Steuer schlicht weiterreichen. Am Ende trifft es die Verbraucher*innen – und zwar unabhängig davon, ob sie Zucker konsumieren oder bewusst darauf verzichten.
Die Regierung hofft dennoch auf einen doppelten Effekt: erstens Mehreinnahmen im dreistelligen Millionenbereich, zweitens eine Verhaltensänderung im Konsum. Doch ob dieser zweite Effekt eintritt, ist fraglich. Wenn selbst zuckerfreie Getränke teurer werden, bleibt als „gesunde Alternative“ nur Wasser – und selbst das könnte in Zukunft ins Visier geraten, wenn die Logik der Süßsteuer weitergedacht wird.
Bevormundung statt Gesundheit
Die geplante Ausweitung wirkt wie ein Paradigmenwechsel: weg von evidenzbasierter Gesundheitspolitik, hin zu einer Bevormundung, die den Geschmack regulieren will. Statt den tatsächlichen Zucker zu besteuern, wird der süße Eindruck sanktioniert. Das ist politisch brisant, wirtschaftlich fragwürdig und gesundheitlich kaum begründbar.
Einordnung in den Haushalt
Besonders kritisch ist die Tatsache, dass die Einnahmen nicht zweckgebunden sind. Sie fließen nicht in Präventionsprogramme, nicht in Ernährungsbildung, nicht in die Entlastung des Gesundheitssystems – sondern schlicht in den allgemeinen Haushalt. Kritiker*innen sprechen deshalb von einer Abzocke, die unter dem Deckmantel der Gesundheit verkauft wird.
Eine gute Zuckersteuer – das zeigen internationale Beispiele – setzt dort an, wo das Problem liegt: beim Zucker. Sie schafft Anreize zur Reformulierung, fördert Alternativen und entlastet jene, die bewusst auf Zucker verzichten. Die geplante deutsche Variante hingegen belastet alle, die süß trinken – egal wie gesund oder ungesund das Produkt tatsächlich ist. (Text und Bild mit KI-Unterstützung)
