Möbel Hübner (Symbolbild durch KI)
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Der Berliner Möbelmarkt im Wandel – Eine Analyse
Wie das Stammhaus von Möbel Hübner verschwindet – und was Berlin damit verliert
Als die Nachricht öffentlich wurde, wirkte sie wie ein Schlag in die Magengrube vieler Berlinerinnen und Berliner: Möbel Hübner, eines der traditionsreichsten Einrichtungshäuser der Hauptstadt, schließt sein Stammhaus in der Genthiner Straße. Nach 117 Jahren endet damit die Geschichte eines Familienunternehmens, das über Jahrzehnte hinweg ein fester Bestandteil der West-Berliner Konsumkultur war. Die Entscheidung kommt nicht aus heiterem Himmel, aber sie markiert einen tiefen Einschnitt – für die Stadt, für den Mittelstand und für einen Möbelmarkt, der sich seit Jahren im Umbruch befindet.
Ein Abschied, der schwerfällt
Offiziell begründet die Eigentümerfamilie Türklitz die Schließung mit „persönlichen Gründen“. Doch Branchenbeobachter und Fachmedien zeichnen ein komplexeres Bild. Die wirtschaftliche Lage im Möbelhandel hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Die Konsumzurückhaltung der Kundschaft, steigende Kosten in Energie, Logistik und Personal sowie ein anhaltender Fachkräftemangel haben das Unternehmen zunehmend unter Druck gesetzt. Hinzu kommt ein tiefgreifender Wandel im Kaufverhalten: Immer mehr Menschen bestellen Möbel online, vergleichen Preise digital und erwarten Liefergeschwindigkeiten, die stationäre Händler kaum leisten können.
Für ein großes innerstädtisches Möbelhaus wie Hübner, das auf mehreren Etagen hochwertige Marken präsentierte, wurde diese Entwicklung zur Herausforderung. Die zentrale Lage, einst ein Vorteil, brachte hohe Betriebskosten und eine schwierige Parkplatzsituation mit sich. Während Möbelriesen am Stadtrand mit riesigen Flächen und günstigen Mieten operieren, kämpfte Hübner mit den strukturellen Nachteilen eines Innenstadtstandorts.
Ein geordneter Rückzug
Trotz der Schließung betont die Familie Türklitz, dass alle Verpflichtungen erfüllt werden. Bereits gekaufte Möbel sollen geliefert, offene Aufträge abgewickelt und Serviceleistungen weiterhin erbracht werden. Der Räumungsverkauf, der nun beginnt, ist der letzte große Auftritt eines Hauses, das Generationen begleitet hat. Bis Ende März soll das Gebäude leer sein. Was danach mit dem Grundstück geschieht, ist offen. Klar ist jedoch: Die Lage zwischen Tiergarten, Potsdamer Straße und Wittenbergplatz macht das Areal zu einem Filetstück, das Investoren anziehen dürfte.
Ein Blick zurück: Die Wurzeln eines Familienunternehmens
Die Geschichte von Möbel Hübner beginnt nicht in Berlin, sondern in Brandenburg an der Havel. Dort gründete Albert Türklitz im Jahr 1871 eine Tischlerei – der Ursprung einer Möbeltradition, die später in die Hauptstadt übersiedelte. Vor 117 Jahren entstand schließlich das Unternehmen, das unter dem Namen Möbel Hübner zu einem der bekanntesten Einrichtungshäuser Berlins werden sollte.
1964 bezog das Unternehmen den markanten Neubau in der Genthiner Straße, ein 14‑stöckiges Möbelhaus, das zu den modernsten seiner Zeit gehörte. Es war ein Symbol des westdeutschen Wirtschaftswunders, ein Ort, an dem Familien Sonntagsausflüge machten, um sich inspirieren zu lassen. Nach der Wiedervereinigung wurde Hübner zu einem Magneten für Ost-Berlinerinnen und Ost-Berliner, die ihre Wohnungen neu einrichten wollten. Das Haus war ein Treffpunkt, ein Konsumtempel, ein Stück Berliner Identität.
Noch 2019 investierte die Familie mehrere Millionen Euro in eine Modernisierung des Hauses. Neue Marken, neue Flächen, neue Konzepte sollten das Unternehmen fit für die Zukunft machen. Doch die strukturellen Probleme des Möbelmarkts ließen sich damit nicht aufhalten.
Ein Verlust für Berlin
Mit der Schließung von Möbel Hübner verliert Berlin nicht nur ein Möbelhaus, sondern ein Stück Stadtgeschichte. Das Unternehmen war ein Beispiel für mittelständisches Unternehmertum, für Verlässlichkeit und für die besondere Rolle, die Familienbetriebe in der deutschen Wirtschaft spielen. Der Wegfall bedeutet auch den Verlust von Arbeits- und Ausbildungsplätzen sowie von Fachwissen, das über Jahrzehnte gewachsen ist.
Gleichzeitig ist die Schließung ein Signal für den stationären Einzelhandel in der Hauptstadt. Sie zeigt, wie schwer es selbst etablierten Häusern fällt, sich gegen Onlineanbieter, aggressive Preisstrategien und veränderte Konsumgewohnheiten zu behaupten. Möbel Hübner ist nicht das erste große Einrichtungshaus, das aufgibt – und es wird vermutlich nicht das letzte sein.
Ein Ende mit Haltung
Trotz aller Herausforderungen geht die Familie Türklitz diesen Schritt mit bemerkenswerter Klarheit. Der Rückzug erfolgt geordnet, transparent und mit dem Anspruch, Kundinnen und Kunden nicht im Stich zu lassen. In einer Branche, in der Insolvenzen oft chaotisch verlaufen, ist das ein Zeichen von Verantwortung.
Eine Ära endet – und Berlin wird sich an den Gedanken gewöhnen müssen, dass selbst die vertrautesten Marken nicht für immer bleiben. Doch die Geschichte von Möbel Hübner bleibt ein Beispiel dafür, wie ein Familienunternehmen über mehr als ein Jahrhundert hinweg eine Stadt prägen kann.
Der Berliner Möbelmarkt im Wandel – Eine Analyse
Der Berliner Möbelmarkt befindet sich seit Jahren in einer tiefgreifenden Transformation. Die Schließung von Möbel Hübner ist ein sichtbares Symptom dieser Entwicklung, aber bei weitem nicht die einzige Veränderung, die die Branche erschüttert. Die Hauptstadt ist ein hart umkämpfter Markt, geprägt von internationaler Konkurrenz, veränderten Konsumgewohnheiten und strukturellen Herausforderungen, die besonders mittelständische Händler unter Druck setzen.
Onlinehandel als dominierende Kraft
Der wohl wichtigste Faktor ist der Siegeszug des Onlinehandels. Plattformen wie Home24, Wayfair oder Westwing haben das Kaufverhalten revolutioniert. Kundinnen und Kunden vergleichen Preise in Sekunden, erwarten schnelle Lieferungen und lassen sich Möbel bequem nach Hause bringen. Selbst große stationäre Händler wie Ikea investieren massiv in digitale Services, Click-and-Collect-Angebote und Online-Konfiguratoren.
Für klassische Möbelhäuser bedeutet das: Die Frequenz in den Filialen sinkt, während die Kosten für Personal, Energie und Logistik steigen. Wer nicht gleichzeitig digital stark aufgestellt ist, verliert Marktanteile.
Die Dominanz der Möbelriesen
Berlin ist ein Magnet für große Möbelketten. Ikea betreibt mehrere Häuser in und um die Stadt und plant weitere Expansionsschritte. Auch Ketten wie Höffner, Roller oder Poco sind mit riesigen Flächen vertreten. Diese Unternehmen profitieren von Skaleneffekten, zentralisierten Einkaufskonditionen und aggressiven Preisstrategien, die mittelständische Händler kaum mitgehen können.
Während Möbel Hübner auf Qualität, Beratung und Marken setzte, locken die großen Ketten mit niedrigen Preisen und gigantischen Sortimenten. Für viele Kundinnen und Kunden ist das entscheidend.
Die Lagefrage: Innenstadt vs. Stadtrand
Ein weiterer Faktor ist die Standortfrage. Möbelhäuser am Stadtrand verfügen über große Parkplätze, niedrige Mieten und viel Fläche. Innenstadtstandorte wie die Genthiner Straße sind dagegen teuer, schwer erreichbar und logistisch anspruchsvoll. Was früher ein Vorteil war – die Nähe zu den Menschen – ist heute ein Nachteil, weil Möbelkäufe zunehmend geplant und weniger spontan erfolgen.
Konsumzurückhaltung und wirtschaftliche Unsicherheit
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland hat den Möbelmarkt zusätzlich belastet. Hohe Energiepreise, Inflation und Unsicherheit führen dazu, dass viele Haushalte größere Anschaffungen verschieben. Möbel gehören zu den Produkten, die besonders stark von Konsumzurückhaltung betroffen sind. Händler berichten seit Jahren von rückläufigen Umsätzen.
Mittelstand unter Druck
Die Schließung von Möbel Hübner zeigt exemplarisch, wie schwer es mittelständische Unternehmen im Möbelhandel haben. Ihnen fehlen oft die finanziellen Reserven, um lange Durststrecken zu überstehen, und die Möglichkeiten, in digitale Infrastruktur zu investieren. Gleichzeitig sind sie stärker von Fachkräftemangel betroffen, weil große Ketten attraktivere Karrierewege bieten.
Ein Markt, der sich weiter verändern wird
Der Berliner Möbelmarkt wird sich weiter konsolidieren. Experten erwarten, dass kleinere und mittelgroße Händler es zunehmend schwer haben werden, während große Ketten und Onlineanbieter weiter wachsen. Gleichzeitig entstehen neue Nischen: nachhaltige Möbel, lokale Manufakturen, modulare Systeme und Mietmodelle gewinnen an Bedeutung.
Die Schließung von Möbel Hübner ist daher nicht nur das Ende eines Traditionsunternehmens, sondern auch ein Symbol für einen Markt im Wandel. Berlin verliert ein Stück Identität – und der Möbelhandel verliert einen Akteur, der über Jahrzehnte hinweg für Qualität, Service und Verlässlichkeit stand.
Wie das Stammhaus von Möbel Hübner verschwindet – und was Berlin damit verliert
Wenn man heute vor dem grauen, kantigen Hochhaus in der Genthiner Straße steht, wirkt es fast wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Vierzehn Stockwerke, streng, funktional, mit dieser typischen West-Berliner Mischung aus Pragmatismus und Selbstbewusstsein. Jahrzehntelang war das Gebäude ein Fixpunkt im Stadtbild – ein Orientierungspunkt zwischen Tiergarten, Lützowviertel und Potsdamer Straße. Und vor allem: ein Versprechen. Wer durch die Drehtür trat, fand eine Welt aus Teppichen, Polstern, Lampen und Wohnträumen, die sich über Etagen erstreckte wie ein eigenes Universum.
Nun wird dieses Haus geräumt. Und mit ihm verschwindet ein Stück Berliner Wirtschaftsgeschichte.

Ein Möbelhaus, das Berlin geprägt hat
Möbel Hübner war nie einfach nur ein Geschäft. Es war ein Ort, an dem man sich Zeit nahm. Ein Haus, das man nicht „mal eben“ betrat, sondern in dem man sich treiben ließ. Schon der Eingang wirkte wie ein Portal: der schwere Boden, die breiten Rolltreppen, die sich wie Adern durch das Gebäude zogen, die gedämpfte Beleuchtung, die den Blick auf Sofalandschaften und gedeckte Tische lenkte.
Viele Berlinerinnen und Berliner erinnern sich an Sonntage, an denen man „nur mal schauen“ wollte – und dann doch zwei Stunden blieb. Für West-Berliner Familien war Hübner ein Klassiker, für Ost-Berliner nach der Wende ein Sehnsuchtsort. Wer hier kaufte, kaufte „fürs Leben“.
Dass dieses Haus nun schließt, ist mehr als ein betriebswirtschaftlicher Vorgang. Es ist ein Abschied von einem Lebensgefühl.
Warum ein Traditionshaus nicht mehr mithalten konnte
Offiziell spricht die Familie Türklitz von „persönlichen Gründen“. Doch die Realität ist vielschichtiger. Der Möbelmarkt hat sich in den vergangenen Jahren radikal verändert. Die Kundschaft vergleicht Preise online, bestellt per Klick, erwartet Lieferzeiten, die nur große Logistiknetzwerke leisten können.
Für ein innerstädtisches Möbelhaus wie Hübner bedeutete das: weniger Laufkundschaft, höhere Kosten, steigender Druck. Die zentrale Lage, einst ein Vorteil, wurde zum Nachteil. Parkplätze sind knapp, die Betriebskosten hoch, die Konkurrenz am Stadtrand übermächtig.
Gleichzeitig kämpfte das Unternehmen mit den gleichen Problemen wie viele Mittelständler: Fachkräftemangel, steigende Energiepreise, eine Konsumflaute, die besonders langlebige Güter trifft.
Dass die Familie Türklitz trotzdem bis zuletzt investierte – zuletzt 2019 in eine umfassende Modernisierung – zeigt, wie sehr man an dieses Haus glaubte. Doch am Ende reichte es nicht.
Ein geordneter Abschied – und ein Versprechen
Der Räumungsverkauf ist der letzte Akt. Die Rolltreppen laufen noch, die Lampen brennen, die Verkäuferinnen beraten weiterhin mit der gleichen Ruhe wie früher. Die Familie Türklitz betont, dass alle Verträge erfüllt werden, alle Lieferungen kommen, alle Serviceleistungen bestehen bleiben.
Es ist ein Abschied mit Haltung. Kein hektisches Aus, keine Insolvenz, kein Chaos. Sondern ein kontrollierter Rückzug – so, wie man es von einem Familienunternehmen erwartet, das seit Generationen für Verlässlichkeit steht.
Die Geschichte hinter dem Namen
Die Wurzeln reichen zurück bis 1871, als Albert Türklitz in Brandenburg an der Havel eine Tischlerei gründete. Aus dem Handwerksbetrieb wurde ein Möbelhandel, aus dem Möbelhandel ein Unternehmen, das schließlich in Berlin Fuß fasste.
Vor 117 Jahren entstand das, was später Möbel Hübner werden sollte. Der Name wurde zu einer Marke, das Haus zu einem Wahrzeichen.
1964 dann der große Schritt: der Neubau in der Genthiner Straße. Ein Hochhaus, das in seiner Klarheit und Strenge typisch war für die Architektur West-Berlins. Es war modern, groß, selbstbewusst – ein Symbol des Wirtschaftswunders.
Nach der Wiedervereinigung wurde es zu einem Magneten. Ost-Berlinerinnen und Ost-Berliner strömten in Scharen hinein, um sich neu einzurichten. Hübner war plötzlich ein Ort, an dem sich die Stadt wiederfand.
Was Berlin verliert
Mit der Schließung verschwindet nicht nur ein Möbelhaus, sondern ein Stück urbaner Identität. Das Gebäude war ein Fixpunkt im Kiez, ein Anker für Gewerbe, ein Arbeitgeber, ein Ausbildungsbetrieb.
Für die Berliner Wirtschaft bedeutet das Aus einen weiteren Rückzug des Mittelstands aus der Innenstadt. Die großen Ketten dominieren, der Onlinehandel wächst, und die Lücken im Stadtbild werden größer.
Das Grundstück selbst ist ein Filetstück. Was daraus wird, ist offen. Doch klar ist: Es wird kaum wieder ein Möbelhaus sein. Wahrscheinlicher sind Büros, Wohnungen, vielleicht ein Hotel.
Damit endet ein Kapitel, das über Jahrzehnte hinweg das Leben vieler Berlinerinnen und Berliner geprägt hat.
Ein letzter Blick durchs Treppenhaus
Wer heute durch das Haus geht, spürt die Mischung aus Alltag und Abschied. Die Rolltreppen surren, die Verkäufer beraten, die Kundschaft streift durch die Gänge – und doch liegt ein leiser Schatten über allem.
Vielleicht ist es die Erkenntnis, dass hier etwas verschwindet, das man für selbstverständlich hielt. Ein Ort, der nicht spektakulär war, aber verlässlich. Ein Haus, das nicht glänzte, aber blieb.
Und vielleicht ist es genau das, was Berlin am meisten fehlen wird.