Grönland als Spielball der Sicherheitspolitik (KI-Bild für Newsmark)
Ein Thema das den Wirtschaftsgipfel in Davos bestimmt
Ein alter Konflikt, neu entfacht in Davos
Der Streit um Grönland hat im Vorfeld der Rede von US‑Präsident Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos erneut internationale Aufmerksamkeit auf eine Region gelenkt, die lange als Randnotiz der Weltpolitik galt. Doch die größte Insel der Erde ist längst kein weißer Fleck mehr auf der geopolitischen Landkarte. Sie ist Rohstoffquelle, strategischer Militärposten und potenzieller Machtfaktor im Wettlauf um die Arktis.
Dass die USA Grönland „brauchen“, wie es in Washington immer wieder heißt, ist kein spontaner Gedanke. Es ist das Ergebnis einer historischen Entwicklung, die von militärischen Interessen, wirtschaftlichen Hoffnungen und sicherheitspolitischen Befürchtungen geprägt ist – und in Davos erneut sichtbar wurde.
Historische Wurzeln: Als die USA Grönland schon einmal kaufen wollten
Der amerikanische Blick auf Grönland ist keineswegs neu. Bereits 1867 versuchte Washington, die Insel von Dänemark zu erwerben. Damals scheiterte der Deal, doch die Idee blieb bestehen.
Während des Zweiten Weltkriegs übernahmen die USA faktisch die Verteidigung Grönlands, weil Dänemark von Deutschland besetzt war. In dieser Zeit entstanden die ersten großen US‑Militäranlagen auf der Insel – ein Kapitel, das bis heute nachwirkt.
1951 folgte ein Verteidigungsabkommen, das den USA dauerhaft militärische Präsenz erlaubte. Der wichtigste Standort: Thule Air Base, ein zentraler Baustein des amerikanischen Frühwarnsystems gegen sowjetische Raketen.
Grönland war damit schon im Kalten Krieg ein strategischer Außenposten – und ist es heute wieder.
Sicherheitsaspekte: Die Arktis als neue Frontlinie
Die Rückkehr der Großmachtkonkurrenz
Mit dem Abschmelzen des arktischen Eises öffnet sich eine Region, die jahrzehntelang unzugänglich war. Neue Schifffahrtsrouten, Rohstoffvorkommen und militärische Bewegungsräume entstehen.
Die USA sehen sich dabei zunehmend von Russland und China herausgefordert.
- Russland baut seine arktische Militärinfrastruktur massiv aus.
- China bezeichnet sich selbst als „near‑Arctic state“ und investiert in Infrastrukturprojekte in der Region.
Grönland liegt mitten in diesem Spannungsfeld – und wird damit zum sicherheitspolitischen Dreh- und Angelpunkt.
Thule Air Base: Ein Relikt, das wieder relevant wird
Die Thule Air Base ist heute Teil des US‑Raketenfrühwarnsystems und spielt eine Rolle in der Überwachung des nordatlantischen Luftraums.
Ihre Bedeutung wächst, weil:
- Hyperschallwaffen neue Frühwarnketten erfordern.
- Satellitenkommunikation über die Arktis an Bedeutung gewinnt.
- Die USA ihre Präsenz im Hohen Norden ausbauen wollen.
Für Washington ist klar: Ohne Grönland verliert man strategische Tiefe im Nordatlantik.
Wirtschaftliche Interessen: Rohstoffe, Routen, Ressourcen
Seltene Erden und neue Handelswege
Grönland verfügt über große Vorkommen an seltenen Erden, Uran, Öl und Gas. Viele dieser Rohstoffe sind für Hightech‑Industrien unverzichtbar – und die USA wollen ihre Abhängigkeit von China reduzieren.
Zudem könnte die Nordwestpassage langfristig eine alternative Handelsroute zwischen Europa und Asien werden. Wer Grönland kontrolliert, kontrolliert einen Teil dieser Route.
Investitionen als geopolitisches Werkzeug
Die USA haben in den vergangenen Jahren ihre wirtschaftliche Diplomatie gegenüber Grönland verstärkt:
- Eröffnung eines US‑Konsulats in Nuuk
- Finanzielle Unterstützung für Infrastrukturprojekte
- Wissenschaftliche Kooperationen
Washington versucht damit, chinesische Investitionen zu verhindern – und Dänemark zu signalisieren, dass Grönland für die USA mehr als ein Randthema ist.
Dänemark zwischen Loyalität und Souveränität
Für Dänemark ist Grönland ein sensibles Thema. Die Insel besitzt weitreichende Autonomie, doch außen- und sicherheitspolitische Fragen liegen weiterhin in Kopenhagen.
Dänemark steht damit zwischen den Stühlen:
- Einerseits ist es NATO‑Partner der USA.
- Andererseits will es Grönlands Selbstbestimmung respektieren.
Der amerikanische Wunsch, Grönland zu kaufen – ein Vorschlag, der 2019 erneut öffentlich wurde – sorgte in Dänemark für Irritationen, aber auch für die Erkenntnis, wie wertvoll die Insel geopolitisch geworden ist.
Davos 2026: Ein Gipfel, der die Arktis neu gewichtet
Beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos spielte die Arktis eine zentrale Rolle. In Panels und Hintergrundgesprächen ging es um:
- die sicherheitspolitische Lage im Nordatlantik
- die wirtschaftlichen Chancen der Region
- die Rolle der USA, Chinas und Europas
Die Rede von Präsident Trump wurde im Vorfeld besonders aufmerksam verfolgt, weil erwartet wurde, dass er die amerikanischen Ambitionen in der Arktis erneut betont.
Dass Grönland dabei eine Schlüsselrolle spielt, ist unübersehbar.
Grönland ist kein Randgebiet – es ist ein geopolitischer Prüfstein
Die USA brauchen Grönland – nicht im Sinne eines Besitzanspruchs, sondern als strategischen Partner in einer Region, die für die globale Ordnung immer wichtiger wird.
Die Insel verbindet militärische Relevanz, wirtschaftliche Potenziale und geopolitische Bedeutung wie kaum ein anderer Ort.
Dänemark, Grönland und die USA stehen damit vor einer gemeinsamen Herausforderung: Wie lässt sich die Arktis gestalten, ohne in einen neuen Kalten Krieg zu geraten?
Die Debatten in Davos haben gezeigt, dass diese Frage längst nicht beantwortet ist – aber dass Grönland im Zentrum der kommenden Entscheidungen stehen wird.