Neujahresempfang im Haus der Land- und Ernährungswirtschaft (Foto: NM / Grosse)
Neujahrsempfang 2026 beim Lebensmittelverband Deutschland
Unmittelbar vor der Eröffnung der „Internationalen Grünen Woche 2026„ (IGW), die in diesem Jahr ihr einhundertjähriges Jubiläum begeht, des „Global Forum for Food and Agriculture“ als auch der Berliner Agrarministerkonferenz, lud der Lebensmittelverband Deutschland in das Haus der Land- und Ernährungswirtschaft zum Neujahresempfang ein. Im Rahmen des Neujahresempfangs 2026 nahmen mehr als 150 geladene Gäste aus Wirtschaft und Politik teil.
Der Lebensmittelverband Deutschland ist der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft. Ihm gehören Verbände und Unternehmen der gesamten Lebensmittelkette „von Acker bis Teller“ an, aus Landwirtschaft, Handwerk, Industrie, Handel und Gastronomie. Daneben gehören zu seinen Mitgliedern auch private Untersuchungslaboratorien, Anwaltskanzleien und einige Einzelpersonen. Somit repräsentiert der Spitzenverband die gesamte Branche, die circa 4,6 Millionen Menschen in über 600.000 Betrieben umfasst.
In ihrer Eröffnungsrede verwies die Vizepräsidentin des Lebensmittelverbandes, Charlotte Rosendahl (Executive Director Quality Management Rewe Group Buying GmbH) auf die Herausforderungen, die der Lebensmittelbranche permanent ausgesetzt ist. Sei es durch Regulierungen aus Brüssel oder auch der unermesslichen Bürokratie. Daher ist das Thema „Bürokratieabbau“ von immenser Bedeutung. Bürokratieabbau dürfe kein Versprechen bleiben, während gleichzeitig neue Berichtspflichten, Kennzeichnungsvorgaben oder Lenkungsinstrumente diskutiert würden. Weiterhin verwies sie auf die wachsende Verwundbarkeit kritischer Infrastrukturen. Der jüngste Anschlag auf das Berliner Stromnetz habe gezeigt, wie eng Versorgungssicherheit, wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftlicher Zusammenhalt miteinander verknüpft seien, so Rosendahl.
Mit Blick auf die neue Bundesregierung begrüßte Rosendahl das Bekenntnis zu Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft, mahnte jedoch konsequente Umsetzung an. Besonders kritisch äußerte sie sich zu staatlichen Eingriffen wie einer Zuckersteuer: Die wissenschaftliche Evidenz für gesundheitliche Effekte sei unzureichend, der bürokratische Mehraufwand hingegen erheblich. Freiwillige Ansätze wie die Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie hätten dagegen nachweislich Wirkung gezeigt.
Mit Blick auf die Diskussion rund um die Bezeichnung vegetarischer Ersatzprodukte erinnerte Rosendahl daran, dass das, was in Brüssel verhandelt wird, im Widerspruch zu allem steht, was wir in Deutschland dazu im Deutschen Lebensmittelbuch verhandelt und beschlossen wurde und was zu einem fairen Miteinander im Markt geführt habe. Sie betonte, dass es Regelungen ohne wirtschaftliche Folgenabschätzungen nicht mehr geben dürfe.
Nach ihrer Begrüßung bittet Charlotte Rosendahl den Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer, an das Rednerpult. Alois Rainer (CSU) hat das Amt seit dem 6. Mai 2025 im Kabinett Merz inne. Er ist gelernter Metzgermeister und Forstwirt mit tiefem Verständnis für die Landwirtschaft, hat Erfahrungen als Bürgermeister und ist seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Bundesminister Alois Rainer sprach sich klar gegen neue staatliche Aufschläge auf Lebensmittel aus. Ernährungspolitik brauche Aufklärung und Anreize, keine Steuern.
Aufklärung bedarf es zudem im Bereich der Bewegung. Hier ist eine intensivere Zusammenarbeit mit der Gesundheitsministerium geplant. Denn in Zeiten von Internet und Social Media haben sich die Bewegungsabläufe, gerade von jungem Menschen, und damit auch die Ernährungsgewohnheiten, stark verändert.
Mit Blick auf Krisenvorsorge, hier verwies der Minister ebenfalls auf den Stromausfall in Berlin, kündigte Rainer ein Update der nationalen Notfall-reserve an. Die bestehende Struktur solle erhalten, aber gemeinsam mit Expertinnen und Experten weiterentwickelt werden, unter Einbeziehung der Lebensmittelwirtschaft und mit praxistauglichen Lösungen wie verzehrfertigen Lebensmitteln. Dazu gehört auch die Einbeziehung der Bundeswehr. Hier gibt es bereits Gespräche mit dem Bundesverteidigungsministerium zum Thema „Food and Defense“.
Auch beim Minister ist das Thema Bürokratieabbau an vorderster Position aufzufinden. Am zweiten Tag seiner Amtszeit richtete er sofort eine Stelle für den Bürokratieabbau ein. Zitat: „Es muss nicht nur Bürokratie abgebaut werden, sondern es muss dafür gesorgt werden, dass keine neue Bürokratie hinzukommt“. Das Ziel sei es, dass die Betriebe wieder mehr „Raum zum Atmen“ bekommen.
Mit der Vizepräsidentin Rosendahl im Einklang ist der Minister bezüglich Strafsteuern. Beide sind keine Befürworter solcher Aufschläge auf Lebensmittelprodukte. Diese verursachen nur zusätzliche Kosten und erhöhen erneut die Bürokratie.
Positiv verwies der Minister auf die Einführung der Lebensmittelbranche auf den „Nutri – Score“. Der Nutri-Score ist eine freiwillige Nährwertkennzeichnung auf Lebensmittelverpackungen, die die ernährungsphysiologische Qualität eines Produkts anzeigt, um Verbrauchern den direkten Vergleich ähnlicher Produkte zu erleichtern.
Dieser wurde von der Bevölkerung sehr gut angenommen. Gemäß den Ausführungen des Ministers verwenden 1000 Unternehmen mit 1500 Produkten diese Kennzeichnung. Der „Nutri-Score“ wird mittlerweile von 90 Prozent der Menschen registriert. Vor fünf Jahren waren es 44 Prozent. 30 Prozent von 90 Prozent kaufen bewusst nach diesem „Nutri – Score“ ein. Der Minister ist ein Freund von Anreizen, was in der Regel zur Folge hat, dass solche Anreize eine größere Akzeptanz bei den Menschen ergibt.
Die Reduzierung der Lebensmittelverschwendung, speziell im privaten Bereich, ist ein weiteres Anliegen des Ministers. In diesem Bereich muss mehr Aufklärung beim Verbraucher geleistet werden.
Der Minister glaubt fest an die Kraft der Menschen, der Regionen und an die Wirtschaft. Daher begrüßt er es, wenn regional und saisonal eingekauft wird. Deutschland hat viel zu bieten, jede Region hat ihre eigenen Spezialitäten. Die Erzeugung von Lebensmitteln in Deutschland hat beste Qualitätsstandards. So, dass der Minister das Label „Made in Germany“ , gerade in der Lebensmittelbranche, befürwortet. Zitat: „Ich glaube fest an „Made in Germany“ und an unsere Produkte“.

In einem anschließenden Empfang konnten sich die Gäste mit kulinarischen Köstlichkeiten und Weinen aus Deutschland verwöhnen lassen.