Schluß mit Briefzustellung in Dänemark - Eine ältere Dame und ihr Enkel verabschieden sich vom Postboten an der Haustür. (KI-Bild)
Zum Jahreswechsel 2025/2026 wird in Dänemark ein Kapitel geschlossen, das über 400 Jahre Bestand hatte: Die staatliche Postgesellschaft PostNord stellt die tägliche Briefzustellung vollständig ein. Ab dem 1. Januar 2026 werden keine Briefe mehr durch PostNord zugestellt – ein radikaler Schritt, der weit über die Landesgrenzen hinaus Aufmerksamkeit erregt.
Die Entscheidung folgt einem dramatischen Rückgang des Briefvolumens: Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der versendeten Briefe in Dänemark um rund 90 % gesunken. Allein zwischen 2023 und 2024 betrug der Rückgang weitere 30 %. Trotz eines Portopreises von 29 Kronen (ca. 3,89 €) für einen Standardbrief – und bis zu 6,70 € für Auslandssendungen – blieb das Geschäft defizitärinside digital+1.
DAO übernimmt – aber mit Einschränkungen
Die Zustellung von Briefen wird künftig vom privaten Anbieter DAO übernommen, der bereits in Teilen des Landes aktiv ist. Ob DAO landesweit und zuverlässig agieren kann, bleibt abzuwarten. Auch die Zustellung von Auslandspost – etwa aus Deutschland – ist noch nicht abschließend geregelt. Das dänische Verkehrsministerium muss neue Zustellverträge vergeben.
Parallel dazu werden alle öffentlichen Briefkästen abgebaut, und rund 1.500 der 4.600 PostNord-Mitarbeitenden in Dänemark verlieren ihren Arbeitsplatz. PostNord will sich künftig ausschließlich auf die Paketzustellung konzentrieren – ein Trend, der sich auch in anderen nordischen Ländern wie Norwegen und Finnland zeigt.
PostNord: Ein skandinavisches Gemeinschaftsprojekt
Die Geschichte von PostNord ist eng mit der europäischen Postliberalisierung verbunden. 2009 fusionierten die dänische Post Danmark und die schwedische Posten AB zu PostNord – ein staatlich kontrolliertes Unternehmen, das zu 60 % Schweden und zu 40 % Dänemark gehört. Ziel war es, Synergien zu nutzen und dem wachsenden Wettbewerb im Logistiksektor zu begegnen.
Während PostNord in Schweden weiterhin Briefe zustellt, zieht sich das Unternehmen in Dänemark aus dem Briefgeschäft zurück. Die Entscheidung ist auch Folge einer Gesetzesänderung: Seit Januar 2024 ist PostNord nicht mehr verpflichtet, flächendeckend Briefe zuzustellen – und erhält keine staatlichen Zuschüsse mehr.
Digitalisierung als Treiber – aber nicht allein
Dänemark gilt als eines der digitalisiertesten Länder Europas. Behördenkommunikation läuft längst über digitale Plattformen wie e-Boks, und auch Unternehmen setzen auf E-Mail und Onlineportale. Doch die Digitalisierung ist nicht der einzige Grund für den Rückgang der Briefpost.
Auch das Preisgefüge spielt eine Rolle: Während in Deutschland über ein Porto von 95 Cent diskutiert wird, kostet ein Brief in Dänemark fast vier Euro – mit längerer Laufzeit. Schnellere Zustellung kostet über fünf Euro. Diese Preise machen den Brief für viele unattraktiv, insbesondere im Vergleich zu digitalen Alternativen.
Was bedeutet das für Deutschland und die Deutsche Post?
Auch in Deutschland sinkt das Briefvolumen seit Jahren. Die Deutsche Post DHL Group hat angekündigt, bis Ende 2025 rund 8.000 Stellen im Briefbereich abzubauen. Gleichzeitig wird über eine Reform des Postgesetzes diskutiert, die die Zustellpflicht lockern könnte – etwa durch weniger Zustelltage pro Woche.
Die Deutsche Post steht vor ähnlichen Herausforderungen wie PostNord: sinkende Nachfrage, steigende Kosten, wachsender Paketmarkt. Der Unterschied: In Deutschland ist die Briefzustellung noch profitabel genug, um aufrechterhalten zu werden – auch dank eines größeren Marktes und geringerer Digitalisierung im Vergleich zu Dänemark.
Doch der dänische Schritt könnte als Blaupause dienen: Wenn selbst ein hochentwickeltes Land wie Dänemark die Briefzustellung aufgibt, stellt sich die Frage, wie lange andere Länder noch am klassischen Postdienst festhalten können.
Fazit: Ein Wendepunkt für die europäische Postlandschaft
Die Entscheidung von PostNord ist mehr als ein nationaler Strategiewechsel – sie ist ein Symbol für den Wandel der Kommunikationskultur in Europa. Briefe verlieren ihre Relevanz, digitale Kanäle übernehmen. Für die Logistikbranche bedeutet das: Konzentration auf Pakete, Automatisierung, neue Geschäftsmodelle.
Für Deutschland heißt das: Die Zukunft der Briefpost muss neu gedacht werden. Zwischen Tradition und Transformation steht die Frage, wie viel analoge Kommunikation sich ein digitalisiertes Land noch leisten will – und kann. | mit KI