Küchen-Studio-Dialog mit dem Liberalen Mittelstand (Foto: JW/NM | NewsMark #01)
Einmal im Monat, pünktlich um 9 Uhr morgens, verwandelt sich das randu Küchenstudio in der Uhlandstraße in Berlin-Wilmersdorf in einen Ort des Austauschs zwischen Wirtschaft und Politik. Der Liberale Mittelstand Berlin lädt zum „Küchen Studio Dialog“ – einer Veranstaltungsreihe, die Entscheidungsträger, Denker und Macher zusammenbringt. Bei Kaffee und Croissants entstehen Impulse, die weit über die Küchenzeile hinausreichen. Die ersten beiden Ausgaben mit Michael Müller und Dr. Volker Treier zeigten eindrucksvoll, wie viel Substanz in einem einstündigen Dialog stecken kann.
Michael Müller: Stadtentwicklung braucht Haltung

Der Auftakt der Reihe fand mit Michael Müller statt, dem ehemaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin und langjährigen Bundestagsabgeordneten. In seinem Impulsreferat sprach Müller über die Herausforderungen und Chancen der Stadtentwicklung in einer Metropole wie Berlin. Dabei wurde deutlich: Für ihn ist Stadtentwicklung kein technokratischer Prozess, sondern ein zutiefst gesellschaftlicher Auftrag.
„Berlin ist kein fertiges Produkt, sondern ein Versprechen“, sagte Müller und plädierte für eine gemeinwohlorientierte Planung, die bezahlbaren Wohnraum, kulturelle Identität und wirtschaftliche Dynamik miteinander verbindet. Er kritisierte die zunehmende Fragmentierung politischer Verantwortung und forderte mehr Mut zur Umsetzung: „Es fehlt nicht an Ideen, sondern an Haltung.“
Müller betonte die Rolle der Wissenschaft als Innovationsmotor und verwies auf die Bedeutung der Berliner Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Gleichzeitig mahnte er, dass Bürokratieabbau und eine neue politische Kultur notwendig seien, um Talente in der Stadt zu halten.
Michael Müller
Geboren: 1964, Berlin
Geschieden: 2 Kinder, 1 Enkel
Partei: SPD
Ex-Ämter: Vorsitzender SPD Berlin, Regierender Bürgermeister, MdB
Spezialgebiete: Stadtentwicklung, Wissenschaft, Wohnraum, Außenpolitik
Dr. Volker Treier: Außenwirtschaft in Zeiten der Unordnung

Der zweite Küchen Studio Dialog stand ganz im Zeichen der globalen Wirtschaft. Dr. Volker Treier, Außenwirtschaftschef und Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), sprach über die geopolitischen Herausforderungen für den deutschen Mittelstand. Unter dem Titel „Die Weltwirtschaft in Unordnung – Wie kann sich die deutsche Wirtschaft behaupten?“ analysierte Treier die aktuelle Lage und skizzierte Lösungsansätze.
Er machte deutlich, dass die deutsche Exportwirtschaft unter Druck steht – durch geopolitische Spannungen, Protektionismus und eine fragmentierte Weltordnung. Gleichzeitig sieht Treier Chancen in der Diversifizierung von Handelsbezieh-ungen und der Stärkung europäischer Netzwerke.
„Wir müssen lernen, in einer multipolaren Welt strategisch zu agieren – nicht nur zu reagieren“, sagte Treier. Er forderte eine stärkere außenwirtschaftliche Resilienz und eine Politik, die den Mittelstand als Rückgrat der deutschen Wirtschaft ernst nimmt.
Dr. Volker Treier
Geboren: 1969 ,Creglingen
Familienstand: Verheiratet, drei Kinder
Studium: VolkswirtschaftslehreBeruf: Außenwirtschaftschef und Mitglied der Hauptgeschäftsführung des DIHK
Schwerpunkte: Außenwirtschaft, Europapolitik, internationale Handelskammern
Zwei Perspektiven, ein gemeinsamer Nenner



Was beide Dialoge verbindet, ist die klare Botschaft: Zukunft braucht Gestaltung. Ob auf kommunaler Ebene wie bei Michael Müller oder im globalen Kontext wie bei Dr. Volker Treier – es sind Haltung, Mut und strategisches Denken, die den Unterschied machen. Der Küchen Studio Dialog bietet dafür eine Bühne, die nahbar, konzentriert und inspirierend ist.
Die Veranstaltungsreihe wird fortgesetzt – alle fünf bis sechs Wochen um 9 Uhr morgens im randu Küchenstudio in der Uhlandstraße in Berlin-Wilmersdorf.
Die Impulsreferate stehen als Podcast zur Verfügung und laden zum Nachhören und Weiterdenken ein. | Autor: Jörg Wachsmuth