
Bundeskanzler Friedrich Merz (Foto: CG/NM | NewsMark #01)
Am 13. August, dem symbolträchtigen Jahrestag des Berliner Mauerbaus, zieht die Republik Bilanz: 100 Tage Friedrich Merz im Kanzleramt. Der CDU-Politiker, der am 6. Mai 2025 erst im zweiten Wahlgang zum Bundeskanzler gewählt wurde, ist der erste Regierungschef ohne vorherige Regierungserfahrung – ein Novum, das Hoffnungen und Skepsis gleichermaßen weckte.
Beliebtheit und öffentliche Wahrnehmung
Die anfängliche Euphorie ist verflogen. Laut aktuellen Umfragen sind nur noch 29 % der Bürger mit Merz’ Arbeit zufrieden, 67 % hingegen unzufrieden – der schlechteste Wert seit Amtsantritt. Auch die Koalition mit der SPD verliert an Rückhalt. Die AfD überholt in Umfragen die Union. Dennoch: Merz punktet international. Sein selbstbewusstes Auftreten bei Gipfeltreffen und Staatsbesuchen – darunter Paris, Warschau, Kiew, Washington und Rom – verschaffte ihm mehr Respekt als Olaf Scholz in drei Jahren.
Digitale Offensive
Auf Social Media zeigt sich Merz überraschend souverän. Mit über 2,6 Mio. Followern auf Instagram und 588.000 auf TikTok übernahm er die offiziellen Kanzlerkanäle und inszeniert sich nahbar und dialogorientiert – ein klarer Kontrast zu Scholz reservierter Kommunikation. Die Zahl der Posts ist deutlich gestiegen, das Engagement ebenfalls.
Wirtschaft: Hoffnung mit Vorbehalt
Die Wirtschaft reagiert gespalten. Der Investitionsgipfel mit 61 Konzernchefs und einem angekündigten Volumen von 631 Mrd. Euro bis 2028 war ein starkes Signal. Auch die geplanten Steuererleichterungen und Abschreibungsregeln stoßen auf Zustimmung. Doch Wirtschaftsweise wie Achim Truger warnen vor „Steuersenkungsspiel“ und fehlender Gegenfinanzierung. Der Mittelstand kritisiert die unvollständige Stromsteuersenkung als „Schlag ins Kontor“.
Erfolge und offene Baustellen
Zu den Erfolgen zählen die Rückkehr zur Grenzkontrolle, die erste Abschiebung nach Afghanistan seit 2021 und die außenpolitische Positionierung gegenüber Russland und Israel. Doch die Richterwahl-Pleite im Bundestag, die stockende Bürgergeldreform und die ungelöste Finanzierung der Sozialversicherungen und die allgemeine Senkung der Stromsteuer zeigen: Die Koalition steht auf wackeligen Beinen.
Fazit
Merz hat Tempo gemacht – außenpolitisch und kommunikativ. Doch innenpolitisch bleibt vieles Stückwerk. Die Wirtschaft wartet auf Strukturreformen, die Bevölkerung auf spürbare Entlastung. Der Herbst wird heiß – nicht nur meteorologisch. | Autor: Bastian Schmidt